Sprengel Hildesheim-Göttingen / Landessuperintendent

Bild: Klosterkirche Amelungsborn - seit 5. Februar 2016 mit neuem Turm.

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Gottesdienste sind klarer, schöner und stimmiger geworden

EKD-Vizepräsident Thies Gundlach verabschiedete Folkert Fendler als Leiter des Zentrums für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst

Hildesheim. Mit einem Gottesdienst in der Hildesheimer Michaeliskirche hat am vergangenen Montag Dr. Thies Gundlach, Vizepräsident des Kirchenamts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Dr. Folkert Fendler als Leiter des Zentrums für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst verabschiedet. Fendler tritt am 1. Januar 2017 die Leitung des Pastoralkollegs Niedersachsen in Loccum an.

Der aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg stammende Fendler war 2009 als Leiter des Zentrums für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst eingeführt worden. Dieses, gegründet als eines der Reformzentren der EKD, ist am Michaeliskloster Hildesheim angesiedelt. Genauso wie die anderen EKD-Zentren, zu denen u.a. das Zentrum für evangelische Predigtkultur in Lutherstadt Wittenberg gehört, basiert es auf dem Impulspapier „Kirche der Freiheit“, das 2006 maßgeblich durch Gundlach für die EKD angestoßen worden war. Auf diese Bezüge kam der EKD-Vizepräsident nun noch einmal in seiner Verabschiedung Folkert Fendlers zu sprechen. 2009 habe der damalige Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber, Fendler als Leiter des Gottesdienstzentrums auf der Kasseler „Zukunftswerkstatt“ der EKD eingeführt, dabei sei damals der Begriff der „Qualitätsentwicklung“ für den evangelischen Gottesdienst durchaus ein umstrittener gewesen. Dass es Fendler gelungen sei, in den zurückliegenden sieben Jahren den Begriff Qualität nicht mehr als möglichen Angriff auf die Arbeit der Pastorinnen und Pastoren, sondern als hilfreichen Qualitätsbegriff für die Kirche zu definieren, dafür sei die Evangelische Kirche aufrichtig dankbar. Zwar habe sich der Gottesdienstbesuch nicht so gesteigert wie im Impulspapier erhofft, so Gundlach weiter, aber die Gottesdienste in den evangelischen Kirchen seien klarer, stimmiger und auch von der ästhetischen Dimension her schöner geworden.

Auf die Kennzeichen einer guten Gottesdienstgestaltung ging Folkert Fendler noch einmal in seiner Predigt ein. Im Spannungsfeld der „3G“, nämlich „Gewissheit, Gemeinschaft und Geheimnis“ gelte es den Gottesdienst zu entwickeln und sich dabei auf Breite, Länge, Höhe und Tiefe des gemeinsamen Singens und Feierns einzulassen. Genau so habe es der Apostel Paulus seinen Gemeinden empfohlen und es vorgemacht. Fendler dankte dem Team des Gottesdienstzentrums in Hildesheim für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung in den vergangenen Jahren. Da er sich aber auch auf die neuen Aufgaben im Loccumer Pastoralkolleg freue, könne er mit lachendem Auge dankbar zurück auf die Zeit in Hildesheim und mit lachendem Auge den Aufgaben in Loccum entgegenschauen.

In Loccum übernimmt Pastor Folkert Fendler zum 1. Januar 2017 die Leitung des Pastoralkollegs Niedersachsen, der gemeinsamen Fortbildungseinrichtung in Loccum für Pastorinnen und Pastoren und Diakoninnen und Diakone der braunschweigischen, hannoverschen, oldenburgischen und schaumburg-lippischen Landeskirche.

Bild: Helge Meyn-Hellberg

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Dienst am Wort und Dienst am Menschen

Pastorin Hanna Wagner in Hackenstedt als Gemeindepastorin eingeführt

 Holle. „Eigentlich ein ganz normaler Gottesdienst“, sagt Hanna Wagner rückblickend beim gemeinsamen Imbiss im Pfarrhaus in Hackenstedt. Es gibt wärmende Suppe, Getränke und viele gute Gespräche. Wagner ist nun offiziell Gemeindepastorin für die Kirchenregion Holle mit den Gemeinden Hackenstedt, Sottrum, Silium, Grasdorf, Heersum, Luttrum und Holle. Zuständig für die Gemeinden ist sie zusammen mit Pastor Peter Michael Wiegandt. Drei Jahre hat sie nach ihrer Ordination schon in der Region verbracht. „Ich bin nun angekommen und habe auch viele neue Freunde gefunden“, sagt Wagner zu ihrer Entscheidung, ihr Amt hier weiterzuführen. Ihr dreijähriger Sohn geht in den Kindergarten vor Ort.

 Über den Entschluss freuen sich die Kirchenvorstände sehr, das ist in den Grußworten nach dem Einführungsgottesdienst deutlich zu hören. Sie führe vieles im Gemeindeleben fort, habe dabei aber auch Neues angeschoben: Zum Beispiel die regelmäßige Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, vor allem in Sottrum. Natürlich habe sie nach drei Jahren auch gesehen, wo mehr getan werden müsse: „Die Bereichsdienste, da haben wir noch Bedarf“, sagt Wagner, und meint die Besuche zu Geburtstagen und anderen wichtigen Anlässen.

 Die Termine für 2017 habe sie schon fest im Blick: So etwa eine Gemeindefahrt nach Wittenberg, ein großes Sommerfest sowie der Besuch von Ministerpräsident Stephan Weil. „Der wird in der Urbanikirche in Heersum predigen, am 22. Januar 2017“, so Wagner. Ein Gemeindemitglied habe den Besuch organisiert.

 Eine Besonderheit habe es doch noch in ihrem Einführungsgottesdienst gegeben, meint Wagner: Der Kirchenchor der Gemeinde Hackenstedt, unter der kommissarischen Leitung von Lieselotte Lerch hat für die musikalische Untermalung gesorgt, mit Gitarrenbegleitung und auch einem gemeinsam angeleiteten Kanon.

 Sie freue sich sehr, sagte Katharina Henking, Superintendentin des Kirchenkreises Hildesheimer Land-Alfeld, bei der Einführung in der Pauluskirche. Nicht nur darüber, dass das Besetzungsverfahren so geräuschlos abgelaufen sei, sondern auch über Hanna Wagner persönlich: „Schon bald nach dem Beginn der Probezeit wurde deutlich: Hier ist eine Pastorin am Werk, die den Dienst der Verkündigung richtig gut macht“. Sie bereite sich intensiv vor, und sie finde und setze auch theologisch klug und feinsinnig die Worte.

 Katharina Henking betonte, dass das Amt der Gemeindepastorin immer zwei Seiten der Verantwortung darstelle: „Es ist Dienst am Wort und zugleich immer auch Dienst am Menschen.“ Nicht nur theologische Fähigkeiten seien da gefragt, auch menschliche. Ein ständiger Balanceakt sei das: „Der Beruf einer Pastorin ist schön und schwer zugleich“. Vor allem aber die vielen helfenden Menschen guten Willens seien wichtig, die mit zupackten und da seien, so die Superintendentin zum Schluss ihrer Predigt: „Sie bereichern hier gemeinsam mit den beiden amtierenden Pastoren und dem Diakon der Region das kirchliche Leben.“

 Pastorin Wagner sprach in ihrer Predigt von dem bevorstehenden Weihnachtsfest und der Jungfrauengeburt Marias. Diese Besonderheit stehe nicht unbedingt für etwas Biologisches, sondern etwas Geistliches: „Es soll besagen, dass etwas ganz Neues in die Welt kommt, das nicht männlicher Macht entspringt. Das Neue kommt durch die Kraft des Geistes zur Welt“, sagte Hanna Wagner. Die Umstände von Marias Schwangerschaft deuteten darauf hin: Hier werde das Leben nicht weiter in gewohnten Bahnen verlaufen, sondern Gott habe eingegriffen und einen Schnitt gemacht. 

Bild: Florian Aue

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St.-Andreas-Kirche live auf Sendung

Deutschlandfunk überträgt Gottesdienst aus Hildesheim

 Hildesheim. Es ist zehn Uhr am vierten Adventssonntag in der St.-Andreas-Kirche in Hildesheim. „Normalerweise würde jetzt der Gottesdienst anfangen“, erklärt Pastor Jan Diekmann den Gemeindemitgliedern scherzhaft. „Aber wir sind ja im Deutschlandfunk, darum kommen jetzt erst einmal die Nachrichten.“ Diekmann ist Leiter der evangelischen Radiokirche im NDR. Er ist verantwortlich für diesen Gottesdienst, der in ganz Deutschland zu hören sein wird. Der Deutschlandfunk überträgt an diesem Sonntag live aus der Andreaskirche.

 Viele Mikrofone sind in der Kirche verteilt, draußen steht der Übertragungswagen bereit. Gerade hat die Kantorei unter Leitung von Bernhard Römer noch die letzten Minuten zum Proben genutzt. Nun bleiben noch weniger als fünf Minuten bis zur Liveübertragung. Für Pastor Detlef Albrecht, der die Predigt halten wird, ist das der erste Radiogottesdienst. Trotzdem sieht er dem Ganzen gelassen entgegen: „Natürlich ist es etwas Besonderes, wenn man weltweit gehört werden kann. Aber die Generalprobe war sehr gut. Darum bin ich zuversichtlich.“ In den letzten Wochen hat er gemeinsam mit Diekmann und Römer den Gottesdienst geplant und vorbereitet.

 Das Publikum vor den Radios sorgte dabei für einige besondere Herausforderungen. „Da die Menschen einen nicht sehen können, muss man sie besonders persönlich und konkret ansprechen“, erklärt Albrecht. „Alles was sonst gesehen wird, muss ins Hören übersetzt werden“, ergänzt Diekmann. Außerdem sei ein Radiogottesdienst viel kleinteiliger. Musik und Sprache wechselten sich häufiger ab. Nur eineinhalb bis zwei Minuten sind die einzelnen Text- und Musikpassagen lang. Für Pastor Albrecht ein ungewohnter Ablauf: „Aber wenn man sich einmal darauf einlässt, funktioniert es gut.“

 Kantor Bernhard Römer konnte dagegen schon reichlich Erfahrungen mit Liveübertragungen sammeln. Schon sieben oder acht Mal sei er an Radio- und Fernsehgottesdiensten beteiligt gewesen, erinnert er sich. „Da stellt sich schon eine gewisse Routine ein. Man weiß, worauf es ankommt.“ Trotzdem müsse die Kantorei zu diesen Gelegenheiten immer besonders aufmerksam sein, damit alles reibungslos klappe.

 Darum stimmt Pastor Diekman auch die Gottesdienstbesucher und -besucherinnen auf das Kommende ein, bevor die St.-Andreas-Kirche live auf Sendung geht. „Ich wünsche mir, dass das was sie heute hierher geführt hat, auch die erreicht, die von zu Hause zuhören. Sie werden durch diesen Gottesdienst mit Menschen in Kontakt treten, die im Auto sitzen, krank sind oder einfach zu Hause ihren Kaffee trinken.“ Schnell wird noch einmal gemeinsam die erste Strophe von „Tochter Zion“ geprobt. „Aber kräftig singen!“, ermahnt Diekmann die Gemeinde, dann geht es los.

 Thema des Gottesdienstes sind Erwartungen an das Weihnachtsfest und an Gott. Die Lektoren aus dem Kirchenvorstand, Christel Henze, Ekkehardt Palandt und Christine Schuder-Franzmann, teilen ihre Erfahrungen mit dem Feiertagsstress vor Weihnachten und mit Hoffnungen und Erwartungen im Alltag.

 Pastor Albrecht erinnert sich in seiner Predigt an sein ruhigstes Weihnachten: „Einen Tag vorher ist die ganze Familie krank geworden.“ Die Enttäuschung sei groß gewesen. „Aber es war auch sehr ruhig und besinnlich.“ Das habe ihn nachdenklich gemacht. „Es ist nicht immer einfach, wenn Menschen an Weihnachten zusammen kommen. Jeder bringt seine Erwartungen mit.“ Albrecht nutzt die Predigt um die Gemeinde und die Zuhörenden aufzurufen, an die zu denken, die mit besonderer Sorge auf das Weihnachtsfest blicken. Viele Menschen seien allein, hätten vielleicht gerade den Partner verloren. „Geben Sie ein Zeichen. Rufen Sie an, laden Sie zum Kaffee ein. Sie werden selber reich beschenkt werden.“       Julia Dittrich

Bild: Julia Dittrich

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Neue Anlaufstelle für Geflüchtete

Diakonisches Werk eröffnet neues Integrationsbüro in Kooperation mit der Stadt Bad Salzdetfurth und dem Landkreis Hildesheim

 Bad Salzdetfurth. Das neue Integrationsbüro in Bad Salzdetfurth ist in seiner Art einmalig im Landkreis Hildesheim: ein großes Ladenlokal mitten im Stadtzentrum. Seit dem ersten Dezember ist es für Geflüchtete und für ehrenamtliche HelferInnen geöffnet. In Kooperation mit der Stadt Bad Salzdetfurth und dem Landkreis Hildesheim hat das Diakonische Werk Hildesheim das Integrationsbüro in der Salzpfännerstraße eingerichtet.

Integrationshelferin Jennifer May konnte dort nun ihren neuen Arbeitsplatz beziehen. Seit August ist die Sozialpädagogin bereits in Bad Salzdetfurth tätig und bietet Beratung für Geflüchtete an. Bisher konnte sie dafür ein Büro im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Salzdetfurth nutzen. "Da war der Wartebereich auf der Treppe", erinnert sich Matthias Böning, Geschäftsführer im Diakonischen Werk Hildesheim. Das neue Integrationsbüro ist nun nicht nur größer, sondern auch besser sichtbar im Stadtbild. "Wir wollten an einer zentralen Stelle Beratung anbieten und auch öffentlich zeigen, dass hier Integrationsarbeit geleistet wird", erklärt Böning.

 Es sind Kleinigkeiten, die diese Integrationsarbeit ausmachen. "Häufig kommen die Menschen mit Briefen, die sie nicht verstehen oder wenn etwas in ihrer Wohnung nicht funktioniert", berichtet Jennifer May. "Oft sind es aber auch Ehrenamtliche, die helfen wollen, wenn eine Abschiebung droht."

Als Ansprechpartnerin für diese und andere Probleme ist May zuständig für alle Geflüchteten und Ehrenamtlichen in Bad Salzdetfurth und Lamspringe. Allein in Bad Salzdetfurth leben zur Zeit etwa 200 Geflüchtete. Hinzu kommen die Menschen, die bereits einen Aufenthaltsstatus haben.

Bürgermeister Henning Hesse unterstreicht die Bedeutung der neuen Einrichtung: "Vor einem Jahr war das Thema: 'sicher, sauber, trocken'. Jetzt geht es um das Thema Integration." Dabei sei das Integrationsbüro eine wichtige Anlaufstelle.

 Trotz der vielen ehrenamtlichen Helfer seien hauptamtliche und professionelle Kräfte nötig, bestätigt Constanze Sickfeld vom Landkreis Hildesheim. Mit der konkreten Anlaufstelle mitten im Ort sei eine vorbildliche Einrichtung geschaffen worden. 

"Das Integrationsbüro passt zu Bad Salzdetfurth", findet auch Böning. Die Stadt sei in der Flüchtlingsarbeit immer ein leuchtendes Beispiel gewesen. "Hier wurde Arbeit integrativ gedacht und umgesetzt."  Text und Fotos: Julia Dittrich

Bild: Julia Dittrich

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Dem King of Glory ganz nah

Eindrucksvolle Aufführung des Projektes „Messiah – Alte Geschichte mit neuen Texten“ in St. Sixti, Northeim

Der „Messiah“ von Georg Friedrich Händel gehört zu dem, was die christlich-abendländische Kultur prägte und bis heute prägt. Doch welchen Sinn hat die Kunst, wenn sie keinen Bezug zu den Menschen der Gegenwart hat? Dieser Frage stellte sich ein Musikvermittlungsprojekt von Kreiskantor Benjamin Dippel, das er gemeinsam mit Silke Lindenschmidt (Vision Kirchenmusik) leitete, und bei dem sich 90 Schülern des Gymnasiums Corvinianum Northeim ein halbes Jahr lang mit dem Oratorium interdisziplinär auseinandersetzen. 

Die Arbeitsphasen im Schulchor und den Kunst-, Deutsch-, Religionskursen des 12. Jahrgangs mündeten in zwei besondere Veranstaltungen: den Einführungsabend am 8. Dezember, der den „Messiah“ auf ungewöhnliche Weise vorstellte und interaktiv erlebbar machte, und das große Konzert für Chor, Orchester und Solisten, das am Sonntag, 11. Dezember in St. Sixti Northeim vor vielen gespannten Zuhörern aufgeführt wurde und durch die Videoperformance der Schüler eine zeitgenössische Interpretation fand.

Was bedeutet Händels Geschichte über das Leben und den Tod Jesu für uns und inwiefern berührt seine Musik auch heute noch? Dieser Frage gingen die Teilnehmer des Projektes „Messiah – Alte Geschichte mit neuen Texten“ nach und schufen so zum Teil völlig unerwartete Assoziationen. Eine besondere Form der Auseinandersetzung wagte der Deutschkurs, der auf Grundlage des Messiah-Librettos neue Texte entwickelte. Sie handeln vom Stress im Abitur, von Individualität und von Orientierung im Dunkel.

Im Konzert wurden diese Texte, die in Zusammenarbeit mit Professor Paul Brodowsky von der Universität der Künste Berlin entstanden sind, per Videowand eingestreut in die Musik, die vom vom Schulchor des Gymnasiums Corvinianum zusammen mit der Kurrende und Kantorei St. Sixti gesungen und vom Barockorchester „la feste musicale“ unter der künstlerischen Gesamtleitung von Benjamin Dippel gespielt wurde. Abgerundet wurde alles durch die Solisten Julia Stratiros (Sopran), Alexandra Paulmichl (Alt), Christoph Rosenbaum (Tenor) und Roman Tsotsalas (Bass).

Wenn es Skeptiker gegeben haben sollte, die daran zweifelten, ob das alles zusammenwirken und dem großen Werk gerecht werden kann, so wurden sie an diesem Abend überzeugt. „Messiah“ war gleichermaßen ein Genuss für alle, die Händel verehren, wie auch eine neue und unerwartete Erfahrung mit Kultur und Kunst, die das barocke Oratorium plötzlich ins Hier und Jetzt und in die eigene Erlebniswelt holt. Die Assoziation, dass auch Gott in Christus in diese Welt kam, um uns zu erreichen, liegt nahe und mag gewollt sein, von den Projektinitiatoren und -teilnehmern oder gar von Händel selbst.

 „Jeder geht seinen eigenen Weg und alle sind verstreut. Wir wissen nicht, wer neben uns steht, ob es um uns herum regnet oder schneit oder über welchen Stein wir als nächstes stolpern werden“, hieß es in einem der Texte, „Können wir uns tatsächlich 'anders' nennen? In Zeiten der Massen, Massenproduktion, Massenkommunikation, Massenmedien?“ Und wenig später setzte der gewaltige Chor ein und sang: „Lift up your heads, O ye gates; and be ye lift up, ye everlasting doors; and the King of Glory shall come in.“ - „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe.“

Gerade in der Northeimer St. Sixti-Kirche war an diesem Abend deutlich zu spüren, dass es sich beim „Messiah“ nicht nur um eine alte, sondern eine großartige und erhabene Geschichte handelt und bei den Texten nicht nur um neue, sondern um moderne und intensive, die zusammen ein außergewöhnliches und inspirierendes Musikerlebnis ergaben und die Kraft der Kunst neu erleben ließen.

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Bild: Christian Dolle

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Wenn das alte Pfarrhaus plötzlich im Haushaltsplan auftaucht

Ev.-luth. Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt stellt von Kameralistik auf Doppik um

 Kreis Hildesheim. Die doppische Haushaltsführung soll im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt Einzug halten: Wenn jetzt in den Gemeinden die Kirchenvorstände über den Haushalt 2017 beraten, dann müssen sie sich mit einer neuen Form der Buchführung auseinander setzen. Kirchenamtsleiter Jens Stöber hat daher vorab an zwei Informationsabenden den Interessierten aus den Kirchengemeinden die wichtigsten Veränderungen und die Gründe für die Umstellung erläutert. Auch bei den Sitzungen der Kirchenvorstände werden Vertreter und Vertreterinnen des Kirchenamts dabei sein, um den ungewohnten Haushaltsplan vorzustellen.

 Seit 2006 haben nach und nach die Kommunen in Niedersachsen von der Kameralistik auf die Doppik umgestellt. Im Jahr 2009 gehörte der benachbarte Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld zu den Ersten, die sich in der Landeskirche Hannovers an das neue System heranwagten. Das heißt, acht Jahre lang wurden im Kirchenamt für die beiden Kirchenkreise zwei Buchführungsstile parallel gefahren – eine Herausforderung für die Mitarbeitenden.

Dafür haben sie nun den Vorteil, dass es bei der Einführung im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt für die meisten Probleme schon Lösungen, für die meisten Fragen schon Antworten gibt, und im Kirchenamt Kolleginnen und Kollegen Erfahrung mit der anderen Form der Buchführung besitzen: „Hier wissen sie schon, dass und wie es funktioniert“, meint Kirchenamtsleiter Jens Stöber. Nicht zuletzt er selbst: Stöber hat schon die Umstellung von fünf Kirchenkreisen miterlebt, gehörte in Hessen zum Begleitteam der Landeskirche für die Doppik-Einführung.

 Daher weiß er häufig, an welchen Punkten sich die meisten Fragen für die Kirchenvorstände, für Pastoren und Pastorinnen auftun. So zum Beispiel bei den Abschreibungen: Was in der freien Wirtschaft jedem Unternehmer selbstverständlich ist, für die Gemeinden ist es neu, dass Sachwerte wie Pfarr- und Gemeindehäuser entsprechend ihrer Bewertung zu Buche schlagen.

 Ausgenommen allerdings sind Kirchen: „Diese Sakralbauten sollen gehalten werden, sind sehr schwer zu bewerten und wären ja auch gar nicht zu verkaufen. Daher hat die Landeskirche beschlossen, sie pauschal nur mit einem Euro zu bewerten“, erläutert Jens Stöber. Die Abschreibungen für andere Gebäude allerdings schmälern in den Gemeinden die freien Mittel; es ist weniger Geld zum Ausgeben da.

 „Das kann schon weh tun. Obwohl das Geld natürlich nicht weg ist. Sind die Abschreibungen finanzgedeckt, werden entsprechende Mittel in einer Substanzerhaltungsrücklage zweckgebunden“, erklärt Jens Stöber. Das sei ja auch letztlich realistisch, denn schließlich müsse für den Erhalt oder die Wiederbeschaffung von Sachwerten Geld zurückgelegt werden.

 Das ist einer der Vorteile der Doppik gegenüber der Kameralistik: Dass die wirklichen wirtschaftlichen Verhältnisse besser abgebildet werden. Dies erleichtert es auch, die finanziellen Auswirkungen verschiedener Lösungen gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt in ausgewählten Arbeitsbereichen in in einer Kosten-Leistungs-Rechnung miteinander zu vergleichen. Zudem folgt aus den Umstellungen bei den Kommunen und anderen Landeskirchen ein gewisser Zugzwang: Der Nachwuchs für Verwaltungskräfte wird heute im doppischen System ausgebildet, und auch Software-Anbieter werden mehr in die Entwicklung dieser Buchhaltungsform investieren. „Die Kameralistik ist ein Auslaufmodell“,  meint Jens Stöber.                   Wiebke Barth

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Klartext zum Einstieg

Gesellschaftliche Visionen prägen Einführung Mirko Peiserts als neuer Superintendent

Hildesheim. Es war ein Einstand mit Ausrufezeichen: Seine Einführung als neuer Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt nutzte Mirko Peisert am Sonntagnachmittag für eine klare Ansage: gegen Tendenzen der politischer Abschottung, für Offenheit, Teilhabe, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit. Nach Predigten wird üblicherweise nicht geklatscht. Doch als im der katholische Dechant Wolfgang Voges später für die beeindruckende Ansprache dankte, reagierten die Menschen in der sehr gut gefüllten Andreaskirche mit starkem, langem Applaus.

Bevor Peisert die Kanzel betrat, wurde er von Landessuperintendent Eckhard Gorka feierlich in seine neuen Ämter als Superintendent und als Andreaspastor eingeführt. Der in der Heide aufgewachsene 43-Jährige habe eine „unglaublich reiche Bildungs- und Berufsbiografie“, die er nur ausschnittsweise würdigen könne, betonte Gorka. Peisert habe in Marburg, Rumänien und Berlin Theologie studiert, habe nach seiner Ordination in Einbeck und Steinwedel als Pastor gewirkt. Zudem habe er sich unter anderem in der Vikarsausbildung, in der Landessynode und als stellvertretender Burgdorfer Superintendent engagiert.

Der Landessuperintendent dankte Andrea Burgk-Lempart und Peter Noß-Kolbe als stellvertretende SuperintendentInnen, der Kirchenkreistagsvorsitzenden Maria-Christine Schäffer und Pastor Detlef Albrecht: Gemeinsam sei es ihnen gelungen, die mehr als einjährige Vakanz im Kirchenkreis und in der Andreasgemeinde gut zu überbrücken. An Peisert gewandt, sagte Gorka: „Sie haben eine große Aufgabe vor sich, aber Ihnen wird auch die größtmögliche Hilfe zuteil: der Geist Gottes.“

Nach seiner Segnung befasste sich Mirko Peisert in der Predigt mit einer Passage aus dem Lukasevangelium, in der Johannes der Täufer die Ankunft des Messias ankündigt. Johannes habe die Vision einer besseren Zukunft angetrieben, so Peisert: „Alles muss sich ändern, und deshalb müssen wir uns ändern.“ Das heiße, mit Schwächeren zu teilen; nicht mehr zu verlangen, als Rechtens ist; und vor allem: niemandem Gewalt oder Unrecht anzutun.

Diesen Forderungen konfrontierte er mit aktuellen politischen Entwicklungen wie den Brexit in Großbritannien, Trumps Wahl zum US-Präsidenten oder österreichische Pläne, neue Grenzanlagen zu bauen, um Flüchtlingen den Weg zu versperren. Auf die Not flüchtender Menschen aus Syrien und anderen Kriegsländern werde allenthalben mit Abschottung reagiert. „Wo sind die Träume geblieben?“, fragte Mirko Peisert. „Zukunft, das klingt heute oft nur nach dem nächsten iPhone.“ Doch die Menschen brauchten, vor 2000 Jahren wie heute, größere Visionen eines gerechten Ausgleichs und friedlichen Miteinanders.

Zu den ersten Gratulanten gehörten Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer sowie die beiden Bundestagsabgeordneten Ute Bertram und Bernd Westphal. Mirko Peisert dankte für das „herzliche und warme Willkommen“, das ihm überall in der Stadt und im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt entgegen gebracht werde. Er bat um Nachsicht, wenn er noch eine Weile brauche, um sich ganz in seine neue Aufgabe einzufinden, und bot den Menschen im Kirchenkreis an: „Wenn Sie sich eine Veränderung wünschen, sagen Sie es mir am besten gleich!“ Ralf Neite

Bilder:

Viele Pastorinnen und Pastoren begleiteten den neuen Superintendenten auf seinem Weg in die Andreaskirche. 

Oberbürgermeister Ingo Meyer, Karin Köhler, stellvertretende Vorsitzende des Kirchenkreisvorstands, Superintendent Mirko Peisert und Landessuperintendent Eckhard beim Einführungsgottesdienst in der Hildesheimer Andreaskirche. Fotos: Neite

Mirko Peisert setzte sich in seiner Predigt unter anderem mit aktuellen politische Entwicklungen auseinander wie dem Brexit in Großbritannien, Trumps Wahl zum US-Präsidenten oder österreichischen Pläne, neue Grenzanlagen zu bauen.

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Bild: Neite

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Von traditionellen Liedern bis zu Melodien aus den Pop-Charts. Beim Adventsliederabend in Sankt Michaelis Hildesheim sangen 450 Erwachsene und Kinder fröhlich und begeistert mit Liedermacher Fritz Baltruweit

Bei all der Hektik in den Tagen vor Weihnachten sind die Stunden des Innehaltens und der Zeit im Familienkreis die wertvollsten. Im kalten Winterwetter leuchten die Sterne am Himmelszelt besonders strahlend und in den warmen Häusern führen liebgewonnene Traditionen die Menschen zusammen. Zu diesen gehören neben dem Besuch eines Weihnachtsmarkts und der Geschenkeinkaufsrunde die vielen Konzerte in den Kirchen. Zu einem ganz besonderen musikalischen Ereignis hat sich dabei das gemeinsame Adventsliedersingen in der Hildesheimer Kirche St. Michaelis entwickelt. Alle Jahre wieder laden Liedermacher Fritz Baltruweit und das Team des Michaelisklosters zu einem Nachmittag ein, der ganz im Zeichen des gemeinsamen Singens und der vorweihnachtlichen Stimmung steht. Am 3. Dezember, am Vorabend des zweiten Advents, war es dieses Jahr wieder so weit. Rund 450 Erwachsene und Kinder kamen im festlich erleuchteten Kirchenschiff der Michaeliskirche zusammen. Die herzliche Begrüßung durch Fritz Baltruweit und die freundliche Einladung und Moderation machten es leicht, in die bekannten und unbekannteren Advents- und Weihnachtslieder einzustimmen. Während die kleinen Besucher beim Lied „In der Weihnachtsbäckerei gibt es manche Kleckerei“ aus vollen Kehlen mitsangen, ließen die Älteren sich von zarten Harfenklängen gefangen nehmen. Mit solchen zauberte die Harfistin Konstanze Kuß aus Hamburg engelsgleiche Melodien in das Kirchenschiff. Zwischen den einzelnen Liedern erzählte Fritz Baltruweit, der als Liederdichter intensiv die Geschichte der beliebtesten Weihnachtslieder erforscht hat, über die historischen Hintergründe der jeweiligen Stücke. Dass dabei manches, was heute eher langsam und getragen daherkommt, ursprünglich viel beschwingter intoniert wurde, zeigte Baltruweit am Lied „In dulci jubilo“.

„Das Lied ist eigentlich ein mittelalterlicher Springtanz, das hat man also im Takt richtig schnell gesungen und so wollen wir das auch machen“, so der Sänger in seiner Einleitung des Stücks, das dann wirklich flott und rhythmisch deutlich akzentuiert erklang. Auch über das Lied „Maria durch ein Dornwald ging“ wusste Baltruweit Erkenntnisreiches zu berichten: „Das Lied stammt aus dem Eichsfeld. Gesungen wurde es dort aber erst nach den  Weihnachtstagen, denn es ist ursprünglich ein Lied zum Fest der Namensgebung Jesu, die Anfang Januar gefeiert wird. Der Text erzählt ja auch über die Taufe Jesu.“

Gelegenheit, den Kreuzgang des Michaelisklosters im Kerzenschein zu erleben und einen heißen Kakao mit Blick auf die mittelalterlichen Gewölbe zu trinken, gab es in der Pause, nach der es mit bekannten und neuen Melodien weiterging. Am Ende des zweistündigen Singens konnte Liedermacher Baltruweit noch einen Überraschungsgast präsentieren. Aus dem ehemaligen Kinderchor, den es als Projekt zum 1000jährigen Jubiläum der Michaeliskirche im Jahr 2010 gegeben hatte, war eine Mitsängerin und damalige Solistin dabei: „Früher, als Kind, hat mich Pia bei den Konzerten unterstützt. Nun ist sie erwachsen und ich freue mich sehr, dass sie heute als Erwachsene mit mir zum Abschluss singen wird.“ Großen Grund zur Freude hatte Fritz Baltruweit daneben auch wegen der Summe der am Abend gesammelten Spenden, die für neue Wassertanks der VUGA-Bible-School in Tansania genutzt werden soll, mit der das Michaeliskloster eine Partnerschaft verbindet. Insgesamt wurde von den Besucherinnen und Besuchern der Betrag von  1025,08 € für dieses Projekt in Afrika in die Sammelbüchsen eingelegt. Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf www.michaeliskloster.de.

Für die, die das Adventsliedersingen im nächsten Jahr auf keinen Fall verpassen wollen, schon der Hinweis: Am 9. Dezember 2017 wird das nächste Adventsliedersingen in St. Michaelis stattfinden. Noch in diesem Jahr kann Liedermacher Baltruweit aber bei einem weiteren Mitsing-Konzert im Sprengel Hildesheim-Göttingen erlebt werden: An diesem Sonnabend (10.12.) um 17.00 Uhr in der Heersumer Kirche (Landkreis Hildesheim).


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Bild: Helge Meyn-Hellberg

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Niedersachsen wird wilderer

Künstlergruppe der proWerkstätten Himmelsthür übergibt Ministerpräsident Stephan Weil ein Kunstwerk für die Staatskanzlei

Hildesheim/Hannover. Die Wilderers aus den proWerkstätten Himmelsthür sind aus der Niedersächsischen Staatskanzlei nicht mehr wegzudenken. Die Künstlergruppe hat Ministerpräsident Stephan Weil eines ihrer Bilder überreicht. „Eine große Ehre, und Herr Weil war auch sehr sympathisch“, resümiert Patrick Premke von dem Kollektiv geistig behinderter Künstlerinnen und Künstler.

Er hat das „Niedersachsen-Bild“ zusammen mit Hans-Joachim „Ha.Jo.“ Teske und Silke Lüdecke gemalt. Zu sehen sind - unter anderem - die Michaeliskirche und das Synagogenmahnmal aus Hildesheim, die Ernst-August-Statue und die Herrenhäuser Orangerie aus Hannover, der Hundertwasser-Bahnhof von Uelzen und ein Haus der Kulturen für Menschen jeder Hautfarbe und Religion. Orte, mit denen die Gruppe sich verbunden fühlt, die für sie Niedersachsen ausmachen. Entstanden ist das Kunstwerk während der Ergebnispräsentation von „Inklusion in Niedersachsen“. Die Wilderers vertraten dort die Bildende Kunst und gestalteten das kulturelle Rahmenprogramm mit. SPD-Politiker Weil war so angetan von der Kreation, dass er bei der anschließenden Versteigerung der Zuschlag bekam.

„Sehr gut gelungen“, lobt Weil das fertige Gemälde. „Ein angemessenes Geschenk zum 70. Geburtstag des Landes Niedersachsen“, findet er. An dem Bild sollen sich alle MitarbeiterInnen und BesucherInnen der Staatskanzlei erfreuen. Bei der Übergabe hatte Ines Ney, kaufmännische Direktorin der Diakonie Himmelsthür, außerdem noch ein Präsent für den Minister. Er ist jetzt Besitzer des Buches „Molly und Wanda“ von Silke Lüdecke. „Die Geschichte erinnert daran, seine Träume auch in schweren Zeiten nicht zu vergessen“, erklärt Ney. Dieses „Trostbuch“ ist mit dem Unic-Design-Award ausgezeichnet, dem einzigen Preis im deutschsprachigen Raum, auf den sich Menschen mit und ohne Handicap gleichberechtigt bewerben können. „Ich finde, sie sollten das aber erst an Heiligabend aufmachen“, lacht Künstler Premke.

Dass die Kunst der Wilderers auf Landesebene ankommt, freut auch Jörg Plehn, Geschäftsführer der proWerkstätten Himmelsthür. „Kunst ist Kommunikation auf Augenhöhe“, betont er. Während dessen plaudern die Künstler mit und der Politiker ohne Handicap über das Bild. „Solche Situationen erleben wir ständig, denn die Kunst schafft eine Gesprächsbasis“, erläutert Plehn weiter. Die Wilderers sind seiner Ansicht nach ein Leuchtturmprojekt in Niedersachsen, ein Alleinstellungsmerkmal der Region Hildesheim und eine Begegnungsort. „Die Menschen leben hier richtig auf.“ Deswegen wollen die Wilderers in absehbarer Zukunft ein Atelier in der Stadt beziehen.

Der Ausflug in die Landeshauptstadt und das Treffen mit dem Ministerpräsidenten ist für die zwei Künstler – Lüdecke ließ sich erkrankt entschuldigen – selbstverständlich ein außerordentliches Erlebnis. Aber die Wilderers haben ihre Arbeit bereits in der Vergangenheit über Hildesheims Landkreisgrenzen hinaus getragen. 2010 stellten sie im Niedersächsischen Landesmuseum aus, ein Bild von Premke hängt im Sozialministerium. Acht KünstlerInnen bilden das Kollektiv, das seit 1997 besteht. Dementsprechend aufgeregt, aber zugleich routiniert war Premke, als er bei der Versteigerung des Bildes von Hildesheims früherem Sozialdezernenten Dirk Schröder das Mikrofon gereicht bekam. Genauso locker und tatkräftig ist er an diesem Tag in der Staatskanzlei und hängt das Bild nach der Übergabe selbst auf.

Die ersten MitarbeiterInnen und BesucherInnen, von der Presse oder aus der Politik, bleiben direkt stehen, um das neue Werk zu bewundern. In Zukunft sind die Wilderers also wirklich nicht mehr aus Niedersachsen wegzudenken. Björn Stöckemann

Ministerpräsident Stephan Weil (dritter v.r.) legte MitarbeiterInnen und BesucherInnen frühzeitig ein Geschenk unter den Christbaum. Das brachte nicht der Weihnachtsmann, sondern die Wilderers und VertreterInnen der Diakonie Himmelsthür. Fotos: Stöckemann

Ministerpräsident Stephan Weil erhielt von Ines Ney, Diakonie Himmelsthür, und Jörg Plehn, proWerkstätten Himmelsthür, ein preisgekröntes Buch einer Künstlerin der Wilderers.

An dieser Stelle hängt das „Niedersachsen-Bild“ der Wilderer in Zukunft. Hans-Joachim Teske (links) und Patrick Premke mit Ministerpräsident Stephan Weil.

Bild: Stöckemann

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Wie können die Religionen miteinander lernen, beten und singen?

Fachtag Interreligiöses Lernen in Hildesheim bietet wissenschaftliche Diskussion und praktische Hilfen für den Bildungsalltag

 Hildesheim. Interreligiöser Dialog findet in den kirchlichen Einrichtungen täglich und überall statt: In den Gemeinden bei der ehrenamtlichen Arbeit mit Flüchtlingen, in den Kindertagesstätten und Schulen im Umgang mit Kindern unterschiedlichster Herkunft und Religion. Dabei entstehen viele Fragen, manchmal auch Konflikte und Zweifel genauso wie Überraschungen und Gemeinsamkeiten.

 Wie selbstverständlich das gemeinsame Lernen gelingen kann lässt sich bei den Kleinsten abschauen. Silke Feldberg-Akhand ist Erzieherin in einer evangelischen Kita in Frankfurt, in der die Hälfte der Kinder aus muslimischen Familien stammt. „Wir feiern natürlich christliche Feste wie Weihnachten und Ostern. Zu den Jahresfeiern gehört aber auch das Opferfest, das von muslimischen Kindern und ihren Eltern vorgestellt wird.“ 

Der Erfahrungsbericht aus der Kita war Teil eines Fachtags zum interreligiösen Lernen, zu dem Michaela Grön, Koordinatorin Evangelische Bildung im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt, im November eingeladen hatte. Die Teilnehmenden konnten in Workshops außerdem Beispiele aus Schule, Hochschule und Kirchengemeinde kennen lernen und auf dem Wege einer wissenschaftlich fundierten Diskussion zu eigenen Positionen finden. 

Sollten Kinder unterschiedlichen Glaubens im Kindergarten zusammen Adventslieder singen? Wie können Schulen und Hochschulen einen Raum der Stille einrichten, der Angehörigen aller Religionsgemeinschaften gerecht wird? Ist es in Ordnung, in einer christlichen Kirche zusammen mit Muslimen zu beten? Darf bei einem interreligiösen Fest Alkohol auf dem Tisch stehen? Die Fragen und möglichen Reibungspunkte sind vielfältig. Bei einer Online-Umfrage in den Bildungseinrichtungen erfuhr Michaela Grön: Das Thema interreligiöses Lernen steht für viele ganz oben auf der Liste des Interesses. „Und das ist auch gut so“, findet sie. „Denn nach meinem Verständnis gehört es zum Profil Evangelischer Bildung, dass wir Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum guten Miteinander der Religionen befähigen. Darin liegt auch eine Chance, die eigene Religion neu zu entdecken.“

 Rund 65 Teilnehmende waren zum Fachtag in die Dombibliothek gekommen. Superintendent Mirko Peisert begrüßte sie an seinem ersten Arbeitstag in seinem neuen Amt. „Bildung und Religion sind verschwistert, sind untrennbar miteinander verbunden“, sagte Peisert. „Der heutige Fachtag zum interreligiösen Lernen kommt aus meiner Sicht genau zur richtigen Zeit und greift viele aktuelle Fragen auf, brisante wie auch ganz alltägliche.“

 Prof. Dr. Wolfgang Reinbold stellte in einem Impulsvortrag die Arbeit des Hauses der Religionen in Hannover vor, das deutschlandweit erste Zentrum für interkulturelle und interreligiöse Bildung. Dort werden Fortbildungen, Diskussionen und Begegnungen für Gruppen jeden Alters angeboten, interreligiöse Projekte koordiniert und gemeinsame Friedensgebete vorbereitet.

Für den Theologen und Beauftragten für Kirche und Islam der Landeskirche  ist für eine gelungene Zusammenarbeit die Haltung entscheidend. Es brauche die Verbundenheit mit der jeweils eigenen Tradition ebenso wie die Einsicht, dass das eigene Verstehen immer unvollkommen ist. Wesentlich seien zudem das Zutrauen in den Dialog, Empathie und die Bereitschaft, sich berühren zu lassen. „Eine Einwanderungsgesellschaft, die multireligiös ist, muss lernen, Unterschiede auszuhalten“, so Reinbold. „Bei einem multireligiösen Empfang zum Beispiel kann auch der Rotwein auf dem Tisch stehen. Interreligiöse Gastfreundschaft bedeutet nicht, dass derjenige mit den meisten Verboten gewinnt und schließlich nur Brot und Wasser übrig bleiben. Gastfreundschaft bedeutet die Offenheit aller, die am Tisch sitzen.“

 Das Interesse der Teilnehmenden fand auch ein Fortbildungsprogramm für evangelische, katholische und islamische ReligionspädagogInnen. Es wird in gemeinsamer Verantwortung von den Bistümern Hildesheim und Osnabrück, dem religionspädagogischen Institut Loccum und dem Zentrum islamische Religionspädagogik Niedersachsen herausgegeben. Im Vorbereitungsteam und unter den Teilnehmenden der Fortbildung sind Christen und Muslime in gleicher Anzahl vertreten. Die islamische Religionspädagogin Dr. Kathrin Klausing stellte das Programm vor: „Wir haben dafür Themen ausgesucht, die für beide Religionen von Bedeutung sind und zugleich Stoff für Auseinandersetzung bieten.“ Klausing betont: „Unser Ideal ist die Augenhöhe“.           Wiebke Barth/Michaela Grön

Bild: Jochen Grön

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