Sprengel Hildesheim-Göttingen / Landessuperintendent

Bild: Klosterkirche Amelungsborn - seit 5. Februar 2016 mit neuem Turm.

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Lektoren und Lektorinnen gestalten Gottesdienste zwischen Leine und Solling

Ehrenamtliche predigen im Reformationsjahr

Am Sonntag, 22. Oktober, werden sich auf fast allen Kanzeln des Kirchenkreises Leine-Solling Ehrenamtliche zu Wort melden. Der gemeinsame Lektorensonntag in Kirchenkreis Leine-Solling wurde im Rahmen des Festjahres "500 Jahre Reformation" verabredet. Im Kirchenkreis Leine-Solling gestalten 49 Lektorinnen und Lektoren regelmäßig Gottesdienste in den rund 100 Kirchen und Kapellen. Außerdem sind 10 Prädikantinnen und Prädikanten zusätzlich ausgebildet. Sie kommen aus verschiedenen Berufen und Ausbildungen und bringen eine eigene Sichtweise in die Predigt ein. Mit ihrer Arbeit gewährleisten sie außerdem, dass Gottesdienste in den Gemeinden auch dann stattfinden können, wenn kein ordinierter Theologe zur Verfügung steht. In jedem Kirchenjahr gibt es in der Regel einen Lektorensonntag.

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Neue Häuser für 50 Menschen mit Spendengeldern aus Deutschland

Pastor Werner Hinz hat in Peru mit 27 000 Euro Hilfe leisten können

Hildesheim.  Pastor Werner Hinz ist schon seit einigen Wochen aus Peru zurück, doch die Erinnerungen an die Menschen dort, ihr Leid und Elend, aber auch ihre Zuversichtlichkeit und Dankbarkeit und die unermüdliche Zuwendung der HelferInnen sind noch so lebendig, dass er übersprudelt von Geschichten und Erfahrungen. Sechs Monate hat der Pastor die Christusgemeinde in Lima als Interimspfarrer betreut. Sollte eigentlich nur dafür sorgen, dass alles weiterläuft, bis das neue Pastorenpaar den Dienst antreten würde. Doch die Aufgaben in der Gemeinde rückten in den Hintergrund, als Schlammlawinen und Überschwemmungen in der Stadt und den Bergdörfern Häuser und Ackerflächen zerstörten und die Trinkwasserversorgung zusammenbrach.

Gemeinsam mit der katholischen Gemeinde und den örtlichen Pfadfindern leisteten Pastor Hinz und die Christusgemeinde erste Unterstützung mit Trinkwasser, Lebensmitteln und Medikamenten. Ein paar Süßigkeiten und Kuscheltiere für die Kinder hätten die Helfer auch dabei gehabt, erzählt er: „Aber die Kinder fragten nach einem Kochtopf oder einer Matratze. Da ging es ums Überleben.“

Der Pastor schickte einen Notruf an Freunde und Bekannte in Deutschland und bat um Spenden. Gemeinsam mit der Entwicklungsgesellschaft Diaconia fand die Gemeinde dann in der Region Huarmey ein überschaubares Gebiet, wo gezielte und nachhaltige Unterstützung mit den Spendengeldern möglich war. Das Flüsschen in der Schlucht war über die Ufer getreten, hatte sich in einen Strom verwandelt, die kleinen Weiler überschwemmt und die Häuser zerstört.

Pastor Hinz hat mit seiner Familie unter anderem zehn Jahre lang in Venezuela gelebt und auch schon in Mexiko gearbeitet. Ein paar Grundregeln der Hilfe habe er inzwischen gelernt, so der Pastor. Nicht die Leute zu sich zu holen, sondern die Hilfe zu ihnen zu bringen. Sich auf das Lebensnotwendige, vor allem Trinkwasser, zu konzentrieren. Und nicht mit staatlichen Stellen zusammen zu arbeiten: „Die Korruption zieht sich in Peru durch das ganze Land.“ Und gerade der reichen Führungsschicht sei das Schicksal der armen Bauern weitgehend gleichgültig. Umso mehr hätten diese Menschen die Hilfe von Fremden zu schätzen gewusst: „Der Dank war allgegenwärtig. Und irgendwie beschämend.“

Insgesamt 27 000 Euro seien aus Deutschland gekommen, so der Pastor, unter anderem aus der Hildesheimer Matthäusgemeinde, wo er zwölf Jahre bis zu seinem Ruhestand Pastor war. Um den Spendern zu danken, will er dort am Donnerstag, 19. Oktober, um 19 Uhr von seiner ehrenamtlichen Arbeit in Lima berichten.

Da jeder Euro direkt der Hilfe vor Ort zugutekommt, reicht das Spendengeld, um Material für acht neue Häuser zu finanzieren, die zurzeit aus Lehmziegeln im Eigenbau errichtet werden. Menschenwürdige Unterkünfte für rund 50 Frauen, Männer und Kinder, die bis zur Fertigstellung in behelfsmäßigen Verschlägen hausen müssen. „Können wir damit die Welt retten? Nein“, weiß Pastor Hinz, „aber das darf keine Ausrede dafür sein, gar nichts zu tun.“  Wiebke Barth





Bild: Hinz

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Northeim: Großer Reformator in Miniformat

Ausstellung mit Szenen aus dem Leben Martin Luthers in St. Sixti eröffnet

Das Luther-Jahr neigt sich dem Ende entgegen und wir haben das Gefühl, inzwischen doch alles gesehen zu haben, was mit der Reformation und dem Reformator zu tun hat. Grundsätzlich stimmt das. Dennoch hat in der Northeimer St.-Sixti-Kirche jetzt eine Ausstellung eröffnet, die noch einmal völlig neue Eindrücke bietet. Sie umfasst mehr als 24 Szenen aus dem Leben Martin Luthers, erzählt von mehr als 200 handgefertigten Figuren. Das ist auch nach mehr als 95 Veranstaltungen zu 95 Thesen noch absolut sehenswert.

„Die Luther-Story“ heißt sie und wurde gestaltet von Renate Milerski, die das zunächst einmal eigentlich gar nicht wollte. „Seit mehr als 35 Jahren mache ich Egli-Erzählfiguren“, berichtet sie, jene Figuren der Schweizerin Doris Egli, mit denen seit den 1960er Jahren biblische Geschichten veranschaulicht werden. „Doch alles, was ich gemacht habe, spielt um das Jahr 0 herum“, erzählt Milerski weiter, „mit der Zeit um 1500 kannte ich mich kaum aus und musste mich erst einmal gründlich einlesen.“

Gleiches gilt auch für Martin Luther selbst, den sie so kannte, wie man ihn eben als evangelischer Christ gemeinhin kennt. Die einzelnen Stationen seines Lebens und die gesamte Breite seines Wirkens wurde ihr erst durch die künstlerische Arbeit nahegebracht. Die erstreckte sich übrigens auf ungefähr 4500 Arbeitsstunden, die Zeit, in der ihr die einzelnen Szenen und manche Details im Kopf herum spukten, noch nicht mitgerechnet. „Ehrlich gesagt, musste ich oft an Heine denken und sagte mir: Denk ich an Luther in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht“, erzählt sie mit einem Lächeln.

Tatsächlich sieht man der Ausstellung diese schlaflosen Nächte deutlich an. Jede einzelne Szene ist so liebevoll bis ins kleinste Detail - sei es jedes einzelne kunstvoll beschlagene Buch oder die Maus, vor der sich eine der Figuren erschreckt - ausgearbeitet, dass nicht nur alles stimmig wirkt, sondern die Figuren tatsächlich lebendig scheinen. Sie erzählen Stationen auf Luthers Lebenswerk, so dass die ebenfalls von der Künstlerin verfassten erläuternden Texte manchmal kaum nötig sind. Spannend dabei ist, wie hier Geschichte auf einfache und durchaus kindgerechte Art erzählt wird, wie sich aber auch erwachsene Betrachter und durchaus auch die theologisch Bewanderten beim intensiven Betrachten der Feinheiten ertappen.

„Hinter jeder Szene steckt mein Herz“, sagt Milerski, die sich sehr darüber freut, wie ihre Arbeit jetzt angenommen wird und wie viel Zeit sich viele beim Anschauen nehmen. „Mir ist Luther schon nahegekommen und er wird mir jetzt fehlen“, resümiert sie.

Doch noch ist es ja nicht soweit, denn die Ausstellung ist noch bis zum 27. Oktober von Montag bis Freitag zwischen 10 und 12.30 sowie zwischen 15 und 17 Uhr und an den Sonntagen nach dem Gottesdienst bis 12.30 und auch von 15 bis 17 Uhr in St. Sixti in Northeim geöffnet.


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Ausstellung „Luther legt los“

500 Jahre Reformation vom 08. bis 31.10.2017 in der Marktkirche St. Nicolai, Hameln

Leben & Werk Martin Luthers werden in 16 Bildern mit ca. 100 Erzählfiguren in der Hamelner Marktkirche St. Nicolai vom 08. bis 31.10.2017 präsentiert. Von der Taufe Luthers am 11.11.1483 über sein Blitzerlebnis, den Ablasshandel, seinen Thesenanschlag 1517, der Papstschriftenverbrennung 1520, dem Reichstag zu Worms und seiner anschließenden Flucht auf die Wartburg bis hin zu Szenen aus seinem Familienleben, wird in 16 „dreidimensionalen“ Bildern reformatorische Geschichte zum Leben erweckt. Dabei ist jede einzelne Szenerie mit unzähligen Details ausgestattet. Bei jedem Blick, beim zweiten und dritten Rundgang entdeckt der Betrachter immer wieder Neues. Sofort erahnt man, wie viele unzählige Stunden die Gestalterinnen an ihrem Werk gesessen und gefeilt haben mögen. Nichts ist nur reines „Beiwerk“ – jede Position, jedes Kleidungsstück, jede Körperhaltung vermag eine eigene Geschichte zu erzählen. Ob Tintenfleck oder reich gedeckter Tisch, sogar mit Essensrändern am Topf, der Blitz, natürlich die Thesen, wunderschönes Mobiliar und vieles mehr, was hier nicht aufgezählt werden kann, weil es einfach direkt vor Ort entdeckt werden muss, fasziniert die Ausstellungsbesucher.

Die Ausstellung „Luther legt los“ – 500 Jahre Reformation ist bis zum 31. Oktober 2017 in der Hamelner Marktkirche St. Nicolai zu bestaunen. Täglich von 12 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind gerne willkommen. Offene Führungen werden in der Regel mittwochs und samstags jeweils um 15 Uhr angeboten. Für Gruppen sind auch Sonderöffnungszeiten und Führungen möglich.

Apropos: In der Ausstellung ist etwas Zeit- und Hamelntypisches versteckt. Dies macht den Rundgang für alle Besucher, klein und groß, besonders spannend - mehr wird hier nicht verraten!
Wer mehr erfahren möchte, kann sich gerne an Pastorin Friederike Grote, Telefon 05151 4079077 oder E-Mail grote@muenster-hameln.de, wenden.

Die Ausstellung mit Erzählfiguren „Luther legt los“ – 500 Jahre Reformation: Liebevoller kann das Reformationsjubiläum im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont – und darüber hinaus – nicht „begangen“ werden.

Weitere Infos finden Sie unter www.erzählfiguren.kirche-hameln-pyrmont.de




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Luther einmal anders

200 Jugendliche aus dem Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld beim Konfi-Camp auf dem Wohldenberg

Wohldenberg. „Konfirmandenunterricht einmal anders zu erleben, mit „bewegenden Aktivitäten“ wie es Joris Niklas Martens auf den Punkt bringt, kommt bei dem 13-Jährigen aus der Kirchengemeinde St. Nicolai Coppenbrügge, Region Ith gut an. Sie genießen das Sportangebot – und nicht zuletzt die kniffeligen Rätsel im Escape-Room rund um das Thema Luther.

Es fordert schon Kombinationsgeschick, denn die Fragen sind aufeinander aufgebaut und nach und nach zu lösen. Nur gemeinsam ist das Ziel zu erreichen. Das Konfi-Camp findet zum ersten Mal statt und wird als Konfirmandenunterricht gewertet. Es steht ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums, und den Jugendlichen wird einen Tag lang ein buntes Programm rund um die Reformationszeit, Martin Luther und das Mittelalter geboten.

Möglich gemacht haben dieses vielschichtige Angebot zu 500 Jahren Reformation die Diakone Frank Rüffer und seine Kolleginnen Melanie Voß und Katja Knop vom Kirchenkreisjugenddienst Hildesheimer Land-Alfeld. An vier Tagen, vom 10. bis 13. Oktober, kommen 200 KonfirmandInnen und VorkonfirmandInnen aus dem Kirchenkreis Hildesheimer Land auf den Wohldenberg, freut sich Melanie Voß. Die drei hauptamtlichen Betreuer werden dabei von 15 Ehrenamtlichen unterstützt. „Sonst wäre das Camp so auch nicht durchführbar“, ergänzt die Diakonin.

Im Garten der Jugendbildungsstätte des Bistums Hildesheim sind mehrere Stationen mit Bewegungsspielen aufgebaut. Hier sollen sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden in der Gemeinschaft kreativ und gezielt mit der Reformationszeit und Martin Luther auseinandersetzen. Es gibt unter anderem eine Feuerstelle, auf der Stockbrot gebacken wird, Stände, an denen Kreuze zugeschnitten oder kleine Gefäße getöpfert werden können. An einem anderen Stand haben die Konfis die Möglichkeit, wie zu Luthers Zeiten mit einem Linoleumschnitt das Lutherwappen zu drucken.

Im Haus ist der sogenannte „Escape-Room“ der Renner. In diesem Rätselraum sollen Fragen, die aufeinander aufbauen, in 45 Minuten gelöst werden. Insgesamt gibt es 15 Stationen, von denen mindestens zehn bewältigt werden müssen. Nebenbei sind Bereiche zum Fußball- oder Basketball spielen sehr begehrt.

„Neues ausprobieren, Bewährtes neu entdecken sind Herzstücke der Reformation“, sagt Frank Rüffer. Das sei im alltäglichen Zusammenleben auch heutzutage noch aktuell, ergänzt der Diakon aus Bockenem. „Wir wollen den Konfirmandinnen und Konfirmanden Gelegenheiten bieten, Neues zu wagen – sowohl zu Gott als auch zu sich und seinen Mitmenschen“. Dabei soll der Spaß natürlich nicht zu kurz kommen.

Das Konzept der Diakone scheint aufzugehen, denn das Konfi-Camp kommt bei den Jugendlichen gut an. Auch bei Thore Schrader. Die schöne Umgebung und das abwechslungsreiche Angebot gefallen mir gut“, sagt der Konfirmand aus Dörpe. Das Konfi-Camp ist jeden Tag gleich aufgebaut und endet auf der Terrasse, mit Musik und einem gemeinsamen Gottesdienst, in dem noch einmal die Lutherrose – dem Wappen Martin Luthers – im Mittelpunkt steht. Manuela Konrad-Nöhren

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Das Konfi-Camp kommt gut an bei den Konfirmandinnen und Konfirmanden aus der Gemeinde Coppenbrügge. Foto: Konrad-Nöhren

Bild: Manuela Konrad-Nöhren

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Bundesweit einzigartig

Glocken-Klänge für Mausfans in der der Hildesheimer KinderKathedrale

Hildesheim. Ein bisschen Mut ist schon nötig. Die schmalen Holztreppen, die hinauf in den Turm der St. Lamberti-Kirche führen, quietschen und knarren. Doch die meisten Familien, die zum Maus-Türöffner-Tag der KinderKathedrale gekommen sind, wagen den steilen Aufstieg, um die Kirchenglocken aus nächster Nähe zu bestaunen Den, „alles dreht sich heute ums Thema Glocke“, wie Diakonin Susanne Paetzold erklärt.

Als Fan der „Sendung mit der Maus“ und Projektleiterin der Hildesheimer KinderKathedrale hatte sie die Idee, die St. Lamberti-Kirche für den diesjährigen Türöffner-Tag der „Sendung mit der Maus“ anzumelden. Den Aktionstag gibt es seit 2011: Jedes Jahr öffnen sich an diesem Tag unterschiedlichste Einrichtungen für Kinder. Diesmal gab es über 700 Stationen – von Museen über Labore bis hin zur Europäischen Zentralbank.

Die St. Lamberti-Kirche hat nicht nur ihre Türen geöffnet, sondern für den Maustag auch verschiedene kindgerechte Aktionen auf die Beine gestellt: Neben der Erkundung des Kirchendachs, das das größte seiner Bauweise in ganz Nordeuropa ist, stand das Basteln von Glocken aus Tontöpfen sowie ein Musik-Workshop auf dem Programm. Und das Kellergewölbe verwandelte sich in ein Kino für die Kirchenglocken-Folge der „Sendung mit der Maus“.

In der Kirche selbst brachte die Percussionistin Almut Lustig gemeinsam mit einem kleinen Team des landeskirchlichen Musikvermittlungsprojektes „Vision Kirchenmusik“ Glocken zum Klingen: In einer Mischung aus Konzert und Mitmach-Lesung erzählte die vierköpfige Gruppe vor einem buntem Bühnenbild die Geschichte von Tante Thea, die mit dem Segelschiff „Gorch Fock“ unterwegs war. Die Kinder im Publikum lauschten gebannt, mussten aber keineswegs still sitzen bleiben. So konnten sie sich selbst als MusikerInnen an den Glocken versuchen oder gemeinsam mit Silke Lindenschmidt von „Vision Kirchenmusik“ zum Rhythmus einer afrikanischen Glocke tanzen.

So viel Leben, Bewegung und Farben, so viele Kinder – das ist eine Seltenheit in Kirchen. Das soll sich ändern, findet der Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt und hat deshalb die „KinderKathedrale“ ins Leben gerufen: Das Projekt anlässlich des Reformationsjubiläums macht die St. Lamberti-Kirche vom 16. September bis zum 4. November zu einem Ort für Kinder. „Das ist einzigartig! Wir sind bundesweit die einzige KinderKathedrale“, strahlt Projektleiterin Paetzold. Sieben Wochen lang gibt es in der Kirche unter dem Motto „Wir entdecken. Wir machen. Wir sind.“ ein umfangreiches Mitmach-Programm. Der vielseitige Maus-Türöffner-Tag passte perfekt dazu. Janina Martens



Bild: Janina Martens

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„Der schönste Beruf auf Erden“

Pastor Johannes Achilles in Schellerten verabschiedet / Kirche heißt nun St. Petri Schellerten

Schellerten. Seit vergangenem Sonntag kann sich die Kirchengemeinde Schellerten über einen neuen Namen für ihre Kirche freuen. Lange Zeit musste sie ohne Namenspatron auskommen. Nun verlieh Landessuperintendent Eckhard Gorka der Kirche das Patrozinium „St. Petri Schellerten". Doch für die Gemeinde gab es an diesem Tag nicht nur etwas zu feiern. Nach sechs Jahren als Pastor der Gemeinden Kemme, Schellerten und Wendhausen verabschiedete sich Johannes Achilles in den Ruhestand. Superintendent Christian Castel nahm seine offizielle Entpflichtung vor und erinnerte sich noch einmal an die Zeit des Amtsantritts von Pastor Achilles.

Bei einigen sei damals „durchaus eine Portion Skepsis im Spiel gewesen", so Castel Schließlich habe Achilles in seiner Laufbahn schon einige bedeutende Positionen bekleidet. Unter anderem war er als Referent im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) tätig, war Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der Hildesheimer Blindenmission und Geschäftsführer des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaften (DEI). Außerdem zog es ihn gleich zweimal in seiner Karriere für mehrere Jahre nach Melbourne in Australien - zuerst als Gemeindepastor, dann als Direktor eines Alten- und Pflegeheims.

So hätten sich viele die Frage gestellt, ob er den Pfarrdienst in den Dörfern Schellerten, Kemme und Wendhausen überhaupt ernst nehmen könne, erinnerte sich Castel. Doch die Gemeindemitglieder seien nicht enttäuscht worden. „Er hat es ernst genommen. Und er hat sich reingehängt. Erreichbarkeit? Bei Johannes Achilles nie ein Problem" Und auch als echter Teamplayer habe er sich erwiesen.

Neben dem neuen Namen für die Kirche in Schellerten konnte Achilles in seinen Amtsjahren noch mehr bewegen. Ein großer Schritt war beispielsweise der Verkauf des ehemaligen Pfarrhauses und der Bau eines neuen Gemeindehauses in Kemme. Um dies zu erreichen, beantragte er sogar, seinen Ruhestand zu verschieben und blieb seinen Gemeinden so noch 20 Monate länger erhalten.

Nun wurde es für den passionierten Sportler Achilles letztendlich doch Zeit, sich zu verabschieden. Mit Wehmut werde er sich an viele schöne Gottesdienste und die Arbeit mit den Jugendlichen im Konfirmandenunterricht und besonders auf Konfirmandenfreizeiten erinnern, sagte er. „Pastor ist wirklich der schönste Beruf auf Erden. Man kommt mit vielen Menschen zusammen. Die Türen stehen einem offen." Trotzdem blickt er dem Ruhestand auch positiv entgegen. „Ich freue mich darauf, Dinge in Ruhe und in meinem eigenen Tempo zu machen." Natürlich möchte er auch mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Nur untätig sein, das komme für ihn nicht in Frage.

Bald wird er in eine neue Wohnung in Hildesheim ziehen und sich in seiner alten Gemeinde „bewusst rar machen." Nicht um den Kontakt zu den KollegInnen und Gemeindemitgliedern abzubrechen, sondern, um Raum zu schaffen für einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. Der- oder diejenige konnte bisher noch nicht gefunden werden. Auf die Ausschreibung der Pfarrstelle habe es bisher „genau null Reaktionen gegeben", berichtete Superintendent Castel.

Vorerst wird Pastor Armin Schneider als „Springerpastor" die Vakanzvertretung übernehmen. „Ich ahne, dass es nicht so schnell gehen wird, bis im Pfarrhaus in Schellerten wieder Licht brennen wird", bedauerte Castel. Trotzdem soll die Stelle nicht auf Dauer unbesetzt bleiben. „Sie alle haben es verdient, eine gute Pastorin oder einen guten Pastor zu bekommen", gab Achilles seiner Gemeinde zum Abschied mit. Julia Dittrich

Bild:Superintendent Christian Castel übergab Pastor Johannes Achilles seine Urkunde zur Entpflichtung. Foto: Dittrich

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Bild: Dittrich

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Vielfältig und gegensätzlich

Bei seiner Visitation entdeckt Superintendent Mirko Peisert die Besonderheiten der Kirchengemeinde St. Michaelis

Hildesheim. Am Michaelistag, den die Kirchengemeinde St. Michaelis mit einem Evensong feierte, hatte die Gemeinde in diesem Jahr einen besonderen Gast. Superintendent Mirko Peisert nahm im Rahmen seiner Visitation an diesem besonderen Abendgebet teil. Der Evensong stammt aus der anglikanischen Kirche Englands und wird von festlichen Chorgesängen geprägt.

Eine Woche lang hat Peisert sich den Alltag in der Kirchengemeinde St. Michaelis angeschaut, hat Gottesdienste besucht und mit Ehrenamtlichen und Mitarbeitern gesprochen. Visitation heißt ein solcher Besuch in der evangelischen Kirche. Alle sechs Jahre findet er in jeder Gemeinde eines Kirchenkreises statt. Für Peisert, der dem Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt vorsteht, bedeutet das etwa vier Gemeindebesuche im Jahr. Obwohl diese Aufgabe viel Zeit in Anspruch nimmt, schätzt er sie sehr: „Es ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Außerdem finde ich es sehr schön, Gemeinden auf diese Art kennen zu lernen."

Visitationen haben in der evangelischen Kirche eine lange Tradition. Zur Zeit der Reformation dienten sie der Kontrolle, ob die neue Lehre auch in den Gemeinden umgesetzt wird. Heute geht es vielmehr darum, „Stärken und Schwächen einer Gemeinde auszumachen und zu überlegen, wie sich die Gemeinde weiterentwickeln kann." Ein schriftlicher Bericht der Gemeinde dient dem Superintendenten als Vorbereitung für die Visitation. Dann hat er eine Woche Zeit, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

„Vor allem führe ich viele Gespräche" erklärt Peisert. Doch manchmal gehören auch ungewöhnliche Termine zu einer Visitation. So ließ sich Superintendent Peisert von Pastor Dirk Woltmann bei einer Fahrradtour durch den Gemeindebezirk führen. Sein Eindruck: „Die Gemeinde ist sehr vielfältig und gegensätzlich, schließlich reicht der Bezirk vom Bahnhofsviertel bis zur Straße Große Venedig." Beeindruckt habe ihn besonders das Engagement vieler Gemeindemitglieder. „Die Menschen identifizieren sich sehr mit dieser einmaligen Kirche und sind auch bereit, sich dafür einzubringen."

Eine weitere Stärke der Gemeinde zeige sich auch in den vielfältigen Gottesdienstformen, die in der Gemeinde gefeiert werden, wie zum Beispiel dem Evensong. „Die Kirchenmusik der Gemeinde ist auch großartig. Da bin ich wirklich begeistert." Trotzdem sieht er auch Verbesserungsmöglichkeiten für die Gemeinde. "Ein großer Teil der Ehrenamtlichen ist bereits in einem höheren Alter. Es muss jetzt daran gearbeitet werden, jüngere Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen."

Außerdem würde Peisert sich wünschen, dass die Zusammenarbeit mit den benachbarten Gemeinden St. Andreas und St. Lamberti weiter gestärkt würde und sich die Gemeinden eindeutiger profilieren würden. Julia Dittrich

Bildunterschrift: Mit der Visitation möchten Superintendent Mirko Peisert (links) und Pastor Dirk Woltmann (rechts) gemeinsam an der Gemeindeentwicklung arbeiten.

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Bild: Dittrich

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Von Billy Idol bis zu Johann Sebastian Bach

Verleihung der Kirchenmusikstipendien 2017 im Sprengel Hildesheim-Göttingen

Theologie und Musik wurden durch die Reformation Schwestern. Seit Martin Luther hat das Gemeindelied im Gottesdienst herausragende Bedeutung. Organisten und Komponisten wie Samuel Scheidt, Heinrich Schütz und vor allem Johann Sebastian Bach haben Meilensteine in der Musikgeschichte gesetzt. Immer wieder treten junge Nachwuchsmusiker in ihre Fußstapfen. Über den Kinderchor oder die Jugendband in der Kirchengemeinde entdecken sie ihre Leidenschaft für die klassische oder auch die moderne Kirchenmusik. Sie werden unterstützt durch den Sprengel Hildesheim-Göttingen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Jährlich vergibt er dafür Kirchenmusikstipendien. Eckhard Gorka, Landessuperintendent des Sprengels, zeichnete jetzt die Preisträger in der Hildesheimer Michaelskirche aus.

„Mit dem gesungenen Wort ist es viel leichter, die Menschen zu erreichen, als mit dem gesprochenen“, so Helmut Langenbruch. Drei Nachwuchskünstler aus dem Hildesheimer Gebiet, für das der Kirchenmusikdirektor zuständig ist, erhielten ein Stipendium aus den Händen Eckhard Gorkas: Alexander Dörries aus Emmerthal bei Hameln und Moritz Buick aus Heinsen bei Holzminden freuten sich persönlich über die Auszeichnung, als dritter Stipendiat kommt Lennart Schipper aus Fürstenberg ebenfalls von der Weser.

Aus dem Göttinger Teil des Sprengels, in dem Detlef Renneberg aus Hann. Münden als Kirchenmusikdirektor arbeitet, stammen vier Stipendienträger: Einer von ihnen ist Konrad Johannes Borchardt. Er ist mit 14 Jahren der Jüngste. Gemeinsam mit Henrik Peinemann aus Einbeck, Melanie Jantzen aus Hann. Münden und Matthias Steinmetz aus Göttingen bekommt er nun die Möglichkeit, sein musikalische Können auszubauen. Dass mit der Fördersumme von je 500,- €, die in zwei Teilbeträgen ausgezahlt wird der Musikunterricht und die vielen Notenbücher finanziert werden können, ist eine willkommene Unterstützung für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Landessuperintendent Eckhard Gorka kennt seinen Sprengel als reiche Orgellandschaft: „Hildesheim-Göttingen hat die größte Dichte an historischen Orgeln und zwar nicht nur in der Landeskirche, sondern weltweit!“. Da gelte es, immer wieder Persönlichkeiten zu finden, die bereit und in der Lage seien, diese wunderbaren Instrumente zu spielen.

Für Melanie Jantzen führte der Weg über das Klavierspiel zur Orgel. Die junge Frau aus dem südlichsten Niedersachsen, die eine Ausbildung zur MTA in der Radiologie macht, ist seit Kindesbeinen begeisterte Musikerin. Erst im Kinderchor, später an Instrumenten. „Eigentlich möchte ich immer weiter nebenberuflich Orgelmusik machen“, so die 20-Jährige. Sie brachte eine moderne Version des Liedklassikers „Danke für diesen guten Morgen“ in der Michaeliskirche zu Gehör.

Auch bei Konrad Borchardt begann die Begeisterung früh und wird durch die Familie unterstützt. Tante und Oma hätten beide eine kirchenmusikalische D-Prüfung. Das grundlegende Examen für das Orgelspiel im Gottesdienst. Gorka lud den 14-Jährigen ein, sich in der Zukunft einfach ein zweites Mal für ein Stipendium zu bewerben, „Du fängst jetzt mit dem ersten Stipendium an und kommst dann in ein paar Jahren einfach noch einmal wieder!“, motivierte er den jungen Einbecker Schüler.

Ebenfalls aus Einbeck stammte Henrik Peinemann. Er ist 17 Jahre alt und spielt seit vier Jahren Orgel. Es sei schon etwas ganz besonderes, einen Gottesdienst zu begleiten, „man bestimmt ja selbst, wann es losgeht.“ Auch sei das Üben nicht so anstrengend wie oft gedacht, „es macht unglaublich Spaß und man wird ja von jedem Üben zu jedem Üben besser.“

Moritz Buick macht moderne Musik. „Ich bin mehr im Hardrock-Bereich unterwegs. Durchaus mal ACDC oder die Scorpions“ erzählte er. Da die Förderung nicht mehr ausschließlich den Orgelnachwuchs unterstützt, sondern es auch ein Stipendium „Popularmusik“ gibt, wurde auch er ausgezeichnet. Dass moderne Töne auch in einer Kirche am richtigen Platz sind, zeigte er mit Billy Idols Song „Kiss me deadly“ an der Gitarre. Seinen Weg wird Buick sicher in einen kirchlichen Beruf gehen, studiert der 19-Jährige doch evangelische Theologie in Göttingen.

Besonders eindrucksvoll dann der Vortrag von Alexander Dörries aus dem Landkreis Hameln. Er absolviert nach dem Abitur eine technische Ausbildung. Neben dem Orgelspiel ist der Segelflug sein zweites großes Hobby. Er setzte sich an die Orgel und spielte ohne Notenblatt Bachs „Dorische Toccata“. Die Hände fliegen über die Tasten, die Füße flitzen über die Pedale. Lange hallen die Töne in der Kirche nach. Orgellehrer und Publikum lauschen anerkennend. Der Applaus ist lang und kräftig. Start, Tastenflug und Landung auch an der Orgel vorbildlich geglückt.

„Wir sind froh, glücklich und stolz, dass wir so junge Leute wie sie haben“, so Eckhard Gorka begeistert, als er bei der Verabschiedung jedem der begabten Nachwuchskünstlerinnen und -künstler noch einen Blumenstrauß in die Hand drückt.





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Bild: Helge Meyn-Hellberg

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Mit Kübelspritzen in der Kinderkathedrale

Landessuperintendent Eckhard Gorka und die Feuerwehr treffen kleine und große Gottesdienstbesucher in der Hildesheimer Lambertikirche

Wasser bestimmt das Leben auf der Erde. Nicht nur das 80% des blauen Planeten mit Ozeanen bedeckt sind, auch alle Lebewesen brauchen dieses Element. In der Taufe hat es im Christentum eine herausragende Bedeutung. Kinder und Erwachsene lieben es zu Baden. Sauberes Trinkwasser ist essentiell. Für manche Berufsgruppen ist es unabdingbarer Teil der Arbeit. Was wäre die Feuerwehr ohne Wasser.

Rund 70 Kinder und Erwachsene feierten in der Lambertikirche Hildesheim einen besonderen Gottesdienst zum Thema Wasser. Die Kirche, ganz in der Nähe der Hildesheimer Innenstadt, hat sich von September bis Anfang November zur „Kinderkathedrale“ verwandelt. Einem besonderen Projekt des Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt im Reformationsjubiläumsjahr. Reformationsangebote für Erwachsene gibt es allerorten. Eine Kirche als Erlebnisraum aber besonders in Hildesheim, „wer könnte besser für Erneuerung, für Neuanfang, ja für Reformation stehen als unsere Kinder?“, sagt Mirko Peisert, Hildesheimer Superintendent. Diakonin und Kirchenpädagogin Susanne Paetzold hat zusammen mit einem großen Team viele Angebote auf die Beine gestellt. So wird an jedem Arbeitstag um 17:00 Uhr ein Abendgebet für Kinder gefeiert, es gibt Erlebnisinseln in der Kirche und immer donnerstags eine Kreativmeile. Höhepunkte sind der Maus-Türöffnertag am 3. Oktober, alljährlich von der „Sendung mit der Maus“ initiiert, und viele Kinder- und Familiengottesdienste.

Zum Wassergottesdienst hatten Diakonin Paetzold und Jürgen Loest, Pastor der Lambertikirche, Landessuperintendent Eckhard Gorka eingeladen. Der sich Verstärkung aus der Hildesheimer Feuerwehr mitgebracht hatte. Im Altarraum standen zwei Kübelspritzen, Kleinlöschgeräte. Sie beinhalten 10 Liter Wasser und dienen dazu, kleine Entstehungsbrände zu bekämpfen. „Meist machen wir einfach den Deckel auf und kippen das Wasser in einem Schwung in den brennenden Papierkorb“, so Heiko Pfänder von der Berufsfeuerwehr Hildesheim mit einem Augenzwinkern. Er hatte die roten Spritzen mitgebracht. Im Gottesdienst erfolgte der Einsatz aber ganz nach Feuerwehrdienstvorschrift: Die Kinder rollten Schläuche aus, kuppelten Strahlrohre an, pumpten mit Muskelkraft ordentlich. Schnell waren sechs Glasschalen gefüllt. Für Landessuperintendent Gorka Stichwort, um der Feuerwehr für ihre ehren- und hauptamtliche Einsatzbereitschaft zu jeder Uhrzeit an jedem Tag zu danken. Auch wenn wie beim Hochwasser manchmal gegen anstatt mit dem Wasser gearbeitet werden müsse. Konkret erlebbar wurde das nasse Element in der Tauferinnerung. Gottes Name habe sich in der Taufe mit dem Namen eines jedes Menschen verbunden. Diese Verbindung halte auch über den Tod hinaus, so Eckhard Gorka. Er lud die Gemeinde ein, sich gegenseitig einander mit dem Wasser ein Kreuzzeichen auf die Stirn zu zeichnen und sich so an die Taufe zu erinnern. Gottes Zusage an jeden Menschen.

„Für uns als Feuerwehr ist das schön, dass wir hier mit dabei sind“, so Heiko Pfänder, „wir alle sind darauf angewiesen, dass sich Menschen bei uns engagieren. Dass Kinder in der Kinderfeuerwehr und Jugendliche in der Jugendfeuerwehr mitmachen ist prima, denn wir brauchen Nachwuchs. Feuerwehr macht Spaß und manchmal auch nass.“ so der Profi-Brandschützer, der auch selbst Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr seines Heimatdorfes ist.

www.njf.de - die Niedersächsische Jugendfeuerwehr

Bild: hmh

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