Sprengel Hildesheim-Göttingen / Landessuperintendent

Bild: Klosterkirche Amelungsborn - seit 5. Februar 2016 mit neuem Turm.

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Die Kirche als Raum für Fragen und Gespräche

Benjamin Gross hat drei Jahre das Literaturhaus St. Jakobi mitgestaltet

Hildesheim. In der ersten Spielzeit war es das Meer, dann kam der Wald, aktuell sind es die Berge: Die Jakobikirche wandelt als Literaturhaus ständig ihr Gesicht, der Altarraum wird zur Bühne für Lesungen und Gespräche. Um das Bühnenbild kümmert sich seit 2014 Benjamin Gross, der drei Jahre als Technischer Leiter für das Literaturhaus St. Jakobi gearbeitet hat. Damit ist zwar jetzt Schluss, Benjamin Gross will sich voll auf sein Studium konzentrieren. Doch das Bühnenbild wird auch in der nächsten Spielzeit noch von ihm kommen: „Die Planungen laufen schon.“ Dabei gefällt Benjamin Gross die Arbeit mit dem lebendigen Material Holz ganz besonders: „Holz ist so menschlich.“ 

Der 32-Jährige hat mit dem Literaturhaus-Intendanten Dirk Brall schon auf dem Kirschkamperhof bei Krefeld zusammengearbeitet. Hildesheim überzeugte als neuer  Wohn- und Arbeitsort, denn hier ließ sich die Teilzeitarbeit für das Literaturhaus mit dem Studium der Gestaltung an der HAWK gut kombinieren. „Meine Jobs haben bisher immer aus den Möglichkeiten ergeben, das wird sicher so bleiben“, meint Benjamin Gross zu seinen Zukunftsplänen. Erst einmal möchte er sich voll auf das Studium einlassen, die neuen Spielräume ausschöpfen, die sich dadurch eröffnen. Doch dem Literaturhaus St. Jakobi, soviel ist sicher, wird er verbunden bleiben. Die Arbeit dort sei ebenso fordernd wie fördernd: „Die Arbeitsatmosphäre ist auf das Projekt ausgerichtet, und das Projekt ist auf die Menschen ausgerichtet.“

 Bei den Lesungen, so Benjamin Gross, schätze er vor allem die Abende, an denen ein Dialog zustande komme und Autoren von ihren eigenen Erlebnissen erzählten. Überhaupt böten sich für Gespräche ständig Möglichkeiten, nicht nur während der Veranstaltungen: Gerade anfangs gab es häufig Diskussionen mit Besuchern, die dem Wandel von der Citykirche zum Literaturhaus zweifelnd und misstrauisch begegneten. Und mit einigen der regelmäßigen Gäste auf den Bänken vor der Kirche hat er gute Bekanntschaft geschlossen.

 Die Auseinandersetzung mit dem Kirchenraum, der Bedeutung, die ein solches Gebäude mitbringt, gehörte selbstverständlich zur Aufgabe. Das Bühnenbild müsse den Raum respektieren, dürfe dessen Ausstrahlung nicht überdecken, findet Benjamin Gross. Dass Menschen hereinkommen, sich Fragen stellen zum Glauben oder Leben, sich eingeladen fühlen, das macht für ihn Kirche aus. Wenn es nach ihm ginge – und die Mittel vorhanden wären – dürfte das noch viel weiter gehen. Eine Bar gibt es ja schon, gemütliche Loungemöbel, verschiedene Sitzecken, inspirierende Installationen, für alle geöffnet an mehreren Tagen der Woche, das wäre sein Wunsch für die Kirche. Ach ja, und eine gut funktionierende Heizung.   Wiebke Barth

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Bild: Barth

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Wer nur den lieben Gott lässt walten - Musik zum Reformationsjahr 2017 im Michaeliskloster Hildesheim

mit Duo La Vigna – Christian und Theresa Stahl (Blockflöten, Theorbe, Barocklaute), Radebeul

Am Sonnabend, den 1.4. lädt das Michaeliskloster von 17 bis 19 Uhr zur 54. Veranstaltung im Kreuzgang voller Licht und Musik ein.

Das Duo La Vigna aus Radebeul lässt mit ihren musikalischen Weisen vor allem aus dem 17. Jahrhundert die Steine des Kreuzgangs lebendig werden. Christian und Theresa Stahl knüpfen aus Anlass des Reformationsjahres an der Geschichte eines einfachen Bauern an, der um 1600 in Böhmen lebte. Weil er dem reformierten Glauben angehörte, wurde er in den Kerker geworfen. Die katholische Künstlerin Theresia Stahl ist eine direkte Nachfahrin dieses Bauern. In Bachs Choralvertonung „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ sieht sie die Glaubensauffassung ihres Vorfahren besonders aufleuchten. Neben Werken von Johann Sebastian Bach wird – gespielt von Blockflöte, Theorbe und Barocklaute – Musik u.a. von Vivaldi, Corelli und Uccellini erklingen.

Während der Pause bietet die Tagungsstätte des Klosters im erleuchteten Kreuzgang kulinarische Köstlichkeiten an.
Die Reihe des geöffneten Kreuzgangs im Michaeliskloster – „Der Kreuzgang voller Musik und Licht: Neue spirituelle Erfahrung in alten Steinen“ - wird seit Anfang des Jahres 2006 durchgeführt. Seit der grundlegenden Restaurierung des Kleinods gotischer Baukunst im Jahre 2004 ist wieder ein ungehinderter Blick auf die Säulen, Bögen und Kapitelle möglich.

Der Kreuzgang ist über den Haupteingang des Michaelisklosters, Hinter der Michaeliskirche 5, zu erreichen.

Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.


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Bild: Christian Stahl_La Vigna

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Tauferinnerung mit allen Sinnen

Erlebnis-Raum Taufe in Wittenberg mit Multimediainszenierung und 500 Jahre altem Taufstein

Am 20. Mai 2017 wird in Wittenberg die Weltausstellung Reformation eröffnet. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers ist dort mit dem Erlebnis-Raum Taufe vertreten. In der letzten Woche gab es für die 50 Superintendentinnen und Superintendenten der Landeskirche, die zu einer Tagung in Wittenberg waren, eine Vorabführung. Unter den Premieren-Gästen war auch der Göttinger Superintendent Friedrich Selter.

Auf 120 Quadratmetern können Besucherinnen und Besucher im „Erlebnis-Raum“ die Bedeutung von Taufe mit allen Sinnen erfahren, unter anderem in einer aufwendigen Videoinstallation. „Die Szene, in der die Menschen im Regen stehen und das Wasser erwarten, hat bei mir ganz persönliche Erinnerungen wach gerufen an Personen, die sich nach Regen, nach Ernte und nach Leben sehnen“, schilderte Propst Stephan Wichert-von Holten aus dem Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg seine ersten Eindrücke. „Es wird einem auch ein bisschen schwindelig, man kommt verändert aus diesem Panorama-Kino wieder raus.“

Genauso hatte Projektleiterin Ulrike Tüpker sich das gedacht. Die Weltausstellung Reformation halte ansonsten viel Kognitives für die Besucher aus aller Welt bereit. Der Beitrag der Landeskirche Hannovers sei hingegen eher etwas für die Sinne und das Gefühl. „Das Sakrament der Taufe lässt sich ja auch gar nicht anders darstellen, als auf immaterielle Weise“, erklärte Tüpker.

Beeindruckt von der Gesamtinszenierung zeigte sich auch Superintendent Friedrich Selter: „Mich hat der Erlebnisraum Taufe unmittelbar fasziniert. Ich hatte sofort das Gefühl, eine andere Welt mit einer besonderen Atmosphäre zu betreten. Man wird in wasserblaues Licht getaucht. Es ist sehr behaglich und ruhig, ein Gefühl von „Aufgenommen-Sein“ breitet sich aus. Drei Räume sprechen ihre eigene Sprache von der einen Sache: Taufe. Ich finde es mutig, dass unsere Landeskirche diesen Raum in Wittenberg einbringt und den Sinn von Taufe wirklich sinnenfällig macht. Schon alleine dieser Raum ist eine Reise nach Wittenberg wert!“

„Wir brauchten ein Thema, das für unsere Landeskirche steht und ganz grundlegend etwas mit Reformation zu tun hat“, erläuterte Arend de Vries, der als geistlicher Vizepräsident für das Reformationsjubiläum in der Landeskirche zuständig ist. Seit dem Jahr der Taufe 2012 gebe es immer wieder große Tauffeste in der hannoverschen Landeskirche. Daran knüpfe der „Erlebnis-Raum“ nun an. Hier könnten Menschen sich über die Bedeutung der Taufe informieren, und sich auch ganz persönlich an ihre eigene Taufe erinnern lassen.

Gleich im Eingangsbereich hat man Lust, sich die Schuhe auszuziehen und die Füße hochzulegen. Der flauschige Flokati-Teppich trägt zu der besonderen Atmosphäre in dem früheren Ladenlokal entscheidend bei. Abseits des Trubels der Wittenberger Fußgängerzone können sich die Besucherinnen und Besucher mit Hilfe von Tablets, die in die blauen Sitzgelegenheiten eingelassen sind, über unterschiedliche Aspekte des Themas Taufe informieren. „Warum ist das traditionelle Taufkleid den Kindern meistens zu groß?“ lautet eine Frage im Tauf-Quiz. Grün leuchtet die passende Antwort auf: „Weil der Täufling im Laufe seines Lebens noch in das Kleid, ebenso wie in den Glauben hinein wachsen wird.“

Im letzten Ausstellungsraum, dessen Wände matt golden schimmern, steht in der Raummitte ein historisches Taufbecken. „Wir haben uns die Mühe gemacht, einen 500 Jahre alten und 500 Kilo schweren Taufstein aus der Kirche in Hülsede, einer Gemeinde in unserer Landeskirche, hierher zu schaffen. Es gibt wohl kein passenderes Zeichen, um an 500 Jahre Reformation zu erinnern“, sagte Arend de Vries. An diesem alten Taufbecken werden ab dem 20. Mai Ehrenamtliche stehen und den Besucherinnen und Besuchern mit Wasser ein Kreuz auf die Stirn oder die Hand zeichnen.

„Der Taufstein am Ende der Inszenierung macht deutlich, dass alles in einer uralten Tradition ruht. Und das kann man kaum anschaulicher machen, als mit diesem viele Jahrhunderte alten Taufstein“, sagt Landesbischof Ralf Meister, der ebenfalls einer der Testbesucher in Wittenberg war.

Der Erlebnis-Raum Taufe ist vom 20. Mai bis 10. September 2017 für Besucherinnen und Besucher täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Für größere Gruppen empfehlen die Veranstalter eine Voranmeldung über www.erlebnisraumtaufe.de.

Text: Meret Köhne




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Bild: Friedrich Selter

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Torte in der Höhle der Löwen

Diakonin Katrin Bode heißt den Frühling mit „Torte im Park“ willkommen und stellt das Projekt bald in Berlin vor

Hildesheim. Katrin Bode ist im dritten Tortenjahr. Heute ist sie trotzdem aufgeregt. Zu ihrem Projekt „Torte im Park“ gehört es sowieso dazu, dass die Diakonin nie weiß, was der Tag so bringt. Heute sind aber schon die Vorbereitungen anders. „Ich bin es eben nicht gewohnt, dass mich jemand filmt“, lacht sie. Ein Kameramann vom Mediendienst der evangelischen Jugend Bramsche folgt ihr auf Schritt und Tritt. Denn demnächst wagt sich Bode in die Höhle der Löwen.

Diese ist in Berlin, am Alexanderplatz direkt beim Fernsehturm. Der evangelische Kirchentag bringt die Raubtiere mit. „Die Höhle der Löwen“ ist eine populäre Fernsehsendung. Junge Unternehmer präsentieren ihre Ideen einer Gruppe von Investoren und hoffen auf finanzielle Unterstützung. Dieses Konzept hat sich der Kirchentag zum Vorbild genommen. Projekte aus allen Landeskirchen präsentieren sich dort am 26. Mai einer Jury und dem Publikum. Bode und ihre „Torte im Park“ ist die einzige Einreichung aus der Landeskirche Hannovers. Für die Präsentation braucht sie den Film.

Deswegen eröffnet sie die Torten-Saison in diesem Jahr etwas früher als geplant. Sie beginnt ihr Picknick-Projekt aber trotzdem dort, wo es immer losgeht, nämlich im Magdalenengarten in Hildesheim. Bei wolkenlosem Himmel und strahlendem Sonnenschein platziert die Mitarbeiterin des evangelischen Kirchenkreisjugenddienstes eine Erdbeersahnetorte in dem Pavillon in der Mitte des Gartens. Die ersten Gäste machen es sich schon auf den Bänken bequem, angeschnitten wird aber erst um 14 Uhr. Bis dahin tragen Bode und ihre HelferInnen acht Kannen Kaffee, vier Kannen Tee, zahlreiche Teller, Becher und Gabeln heran. Zur Torte gesellen sich außerdem noch ein Maulwurfs-, ein Marmor- und ein Käsekuchen. „In zwei Stunden ist davon nichts mehr übrig“, schätzt Bode aus Erfahrung.

Ihre Idee ist einfach. Sie geht mit Leckereien in einen Park, um den Menschen eine Freude zu machen. Jeder, der möchte, ist eingeladen – gerne auch zu verweilen und sich zu unterhalten. Seit sie 2015 zum ersten Mal loszog, hat sich eine treue Stammkundschaft gebildet, aber es liegt in der Natur der Sache, dass jedes Mal neue Menschen teilhaben. Zum ersten Mal ist beispielsweise Sabine Howind dabei. „Ein Stück Torte ist natürlich nicht uninteressant“, schmunzelt sie, „aber sich dabei mit netten Menschen in der Sonne zu unterhalten, macht das zu einer perfekten Wochenendbeschäftigung.“

Zu den Stammgästen gehört hingegen Heidemarie Zentgraf. Neben Backwerk und Gesellschaft schätzt sie die Orte, zu denen Bode mit ihrem Tortenwagen führt. „Den Friedrich-Nämsch-Park kannte ich vorher nur vom Durchgehen und mag ihn jetzt sehr.“ Ihre schönste Erinnerung mit dem Projekt knüpft sie jedoch an den Ehrlicher-Park. „Jemand hatte seine Gitarre dabei, und Frau Bode hat alle Menschen vom anliegenden Spielplatz dazu geholt, das war ein besonderes Erlebnis.“

Die Leute gehen mit einem besseren Gefühl nach Hause, deswegen mache ich das“, strahlt Bode. Die Reise nach Berlin, selbstverständlich mit einer Torte, ist eher das Sahnehäubchen. Wie hoch das Preisgeld ist, weiß sie nicht. Ist ihr auch nicht wichtig. Die Menschen, die Torte und der Sonnenschein sind entscheidend. Im Mai ist sie noch einmal ohne Filmteam im Magdalenengarten, dann geht es in den Ehrlicher-Park und in die Steingrube. Immer im Schlepptau: Der Bollerwagen mit Geschirr und Leckereien. Da hinein würde sie ihr Preisgeld investieren. „Bisher ist der geliehen, ein eigener mit ‚Torte im Park‘-Aufdruck wäre toll.“ Björn Stöckemann

Bild: Stöckemann

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Omas Lieblingsservice ist wie ein Zipfel der Ewigkeit

Rund 100 Frauen aus dem Kirchenkreis sprechen beim Frauenfrühstück über den Umgang mit Veränderungen im Leben

Alfeld. Das Gespräch kommt sofort in Gang, die Begrüßungen sind herzlich: Rund einhundert Frauen aus der Region Alfeld sind der Einladung zum Frauenfrühstück für den evangelischen Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld gefolgt. Viele von ihnen sind Stammgäste. „Wir kommen immer. Weil es uns gefällt“, spricht Hilde Wackenrohr ihren Nachbarinnen aus dem Herzen. Zweimal im Jahr, jeweils im Frühjahr und Herbst, finden diese Vormittage für Frauen statt – mit einem leckeren Frühstück für das leibliche, mit Musik und einem Vortrag für das seelische Wohl, erklärt Superintendentin Katharina Henking.

Seit drei Jahren organisieren Regine Rose, Iris Behrendt und Helga Rosenberg das Frühstückstreffen. „Wir sind ein eingespieltes Team, die Absprachen gehen schnell und die Aufgaben sind verteilt“, erzählt Helga Rosenberg. Für die Tischdekoration ist der Frauentreff Grünenplan zuständig; diesmal zieren zarte Papier-Schmetterlinge die Tische. Auch Caroline Berndt-Uhde ist als musikalische Begleitung zuverlässig dabei. Der Morgen beginnt und endet mit einem gemeinsamen Lied.

„Mit Veränderungen Leben lernen“ ist das Leitthema, über das Cornelia Renders, Referentin des Frauenwerks im Sprengel Hildesheim-Göttingen, heute spricht. Einschneidende Veränderungen in ihrem Leben haben die Frauen hier schon viele bewältigt, manche davon aufgrund eigener Entscheidung wie Berufswahl oder Heirat, andere wurden aufgezwungen durch den Krieg, die Flucht aus der Heimat oder den Verlust geliebter Menschen. Schwer sei das gewesen, das Leben mit den Kindern nach dem Tod ihres Mannes allein zu bewältigen, sagt eine Teilnehmerin, aber sie habe neue Freundschaften geschlossen und es geschafft: „Man muss selbst etwas dafür tun.“

Nur wer den Verlust an sich heranlasse, den Schmerz durchlebe, könne danach weitergehen und die Veränderung für einen Neuanfang nutzen, sagt Cornelia Renders. Es helfe auch, liebevolle Erinnerungen festzuhalten, so wie man beispielsweise das Lieblingsservice der Großmutter weiter benutzt: „Immer wenn ich den Tisch decke, ist Oma da. Das ist ein Zipfel der Ewigkeit.“ Solchen Halt bedeuteten ihr auch die alten Lieder und überlieferten Liturgien im Gottesdienst.

Und dann gebe es natürlich auch die Veränderungen zum Guten, zum Beispiel durch den Mut, den einmal eingeschlagenen Berufsweg noch einmal zu verlassen. „Mutter sein“ nennt Caroline Bendt-Uhde eine andere schöne und einschneidende Veränderung: Die Erfüllung eines großen Wunsches, die für viele Frauen ihr Leben weit mehr auf den Kopf stellt, als sie vorher geahnt haben.

Das nächste Frauenfrühstück, kündigt Superintendentin Henking an, findet am 14. Oktober statt. Die Frauen am Tisch nicken, prägen sich das Datum ein: „Da sind wir wieder dabei.“

Bilder:
Ein eingespieltes Team für das Frauenfrühstück (von links): Caroline Berndt-Uhde, Helga Rosenberg, Iris Behrendt, Regine Rose, Superintendentin Katharina Henking und Cornelia Renders.

Ein gemeinsames Lied zur Einstimmung auf den Vormittag.

Bild: Barth

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Pastorin Hirschmann verlässt Trinitatis

Fünf Jahre lang hat die Gemeinde die Pfarrstelle durch Spenden mitfinanziert

Breinum. Sie könne sich noch ganz genau an den Tag erinnern, erzählt Pastorin Brigitte Hirschmann, an dem sie mit ihrem Mann in die Dachgeschosswohnung in Woltershausen zog. Sehr heiß sei es damals gewesen Und besonders gut erinnere sie sich noch an die Maßgabe des damaligen Superintendenten: Zwei Jahre sollten sie bleiben, nicht länger. Tatsächlich sind es elf Jahre geworden. Zunächst gemeinsam mit ihrem Mann Siegfried als Pastoren im verbundenen Pfarramt Sehlem/Woltershausen, anschließend als Pastorin der Trinitatis-Gemeinde in den Orten Sehlem, Breinum und Evensen. Nun nimmt Brigitte Hirschmann Abschied von der Region.

Dass dieser Abschied erst jetzt kommt und nicht bereits vor fünf Jahren stattgefunden hat, hat Pastorin Hirschmann ihrer besonders engagierten Kirchengemeinde zu verdanken, die ihre Pastorin unbedingt behalten wollte. Denn bereits 2012 sollte die Stelle nicht mehr verlängert werden. Doch die Gemeindemitglieder setzten sich für ihre Pastorin ein und sammelten Spenden, um die Stelle mit eigenen Mitteln zu finanzieren. Mit der Unterstützung der damals frisch gewählten Superintendentin Katharina Henking ließ sich auch das Landeskirchenamt überzeugen und willigte ein, die Hälfte der Kosten für eine halbe Pfarrstelle zu tragen. Die andere Hälfte brachte die Trinitatis-Gemeinde selbst auf.

Beim Abschiedsgottesdienst für Pastorin Hirschmann spricht Henking ihre Hochachtung für diese Leistung aus: "Das war ein vorbildhaftes Unterfangen." Allerdings komme dieses Engagement auch nicht von ungefähr. "Der Grund dafür lag in der Wertschätzung ihrer Arbeit und ihrer Person. Brigitte Hirschmann ist eine Pastorin, die ihr Amt mit Leib und Seele verkörpert. Sie wird hier eine Lücke hinterlassen." Das ließ sich auch im Kirchenraum erkennen, der bis zum letzten Platz besetzt war mit Gemeindemitgliedern, die Abschied nehmen wollten.

Auch Brigitte Hirschmann fällt der Abschied nicht leicht. Besonders die tolle Teamarbeit im Kirchenvorstand werde ihr immer in Erinnerung bleiben. Und auch die vielen ehrenamtlichen Helfer hätten ihre Arbeit bereichert. "Ich nehme unheimlich viele Erfahrungen mit", erklärt sie zum Abschied. "Ich gehe ungern, aber ich gehe."

Ihre berufliche Zukunft sei noch nicht ganz gewiss. Wahrscheinlich werde sie eine volle Pfarrstelle in einem weiter entfernten Ort übernehmen dürfen. Und auch auf die Trinitatis-Gemeinde kommen einige Veränderungen zu. Eine Fusion mit einer anderen Gemeinde wird es trotz der wegfallenden Pfarrstelle nicht geben. Aber in Zukunft möchte die Gemeinde von der Kirchenregion Sibbesse-Adenstedt-Lamspringe-Sehlem in die Kirchenregion Bad Salzdetfurth wechseln. Es gebe bereits Gespräche mit der Gemeinde Bodenburg-Wehrstedt, berichtet Superintendentin Katharina Henking. Pastor Henning Forwergk würde dann auch die Trinitatis-Gemeinde pfarramtlich versorgen. Julia Dittrich

Bilder:

Kirchenvorstandsmitglied Henning Bartels überreicht Pastorin Brigitte Hirschmann ein Abschiedsgeschenk. Fotos: Dittrich

Ein letztes gemeinsames Foto: Pastorin Brigitte Hirschmann und Superintendentin Katharina Henking mit dem Kirchenvorstand der Trinitatis-Gemeinde.

Bild: Dittrich

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Ein alltäglicher Hindernislauf

Markusgemeinde lädt zur „inklusiven Stadtteilbegehung“, um für Barrierefreiheit zu sensibilisieren

Hildesheim. Fast eine Viertelstunde brauchen Thomas Krause und seine Begleitung, dabei geht es nur um die Ecke. Die Dame neben ihm hat die Augen verbunden. Vorsichtig setzt sie einen Fuß vor den anderen, während sie mit einem Stock den Gehweg abtastet. Sie kennt das Viertel eigentlich. Er ist Mitglied im Behinderten- und Inklusionsbeirat der Stadt Hildesheim.

Die Markusgemeinde hat Krause und die Vorsitzende Marion Tiede zu einer inklusiven Stadtteilbegehung eingeladen. Etwa 20 Menschen haben sich dafür im Ulmenweg eingefunden, unter ihnen Mitglieder des Seniorenkreises oder Ortsbürgermeister Erhard Paasch. „Den ganzen Stadtteil schaffen wir heute nicht“, weiß Markusschwester Ursel Scholz. Eine überschaubare Strecke hat sie ausgesucht. Etwa 400 Meter sollen die TeilnehmerInnen mit Blindenstock oder im Rollstuhl zurücklegen. Beim Abmarsch ahnen nur die Verantwortlichen, dass die Gruppe fast eine Stunde für den Weg brauchen wird.

Die Stadtteilbegehung ist Teil der Reihe „Inklusiv bei Markus“. Die evangelisch-lutherische Gemeinde will zwei Botschaften damit vermitteln. Jeder Mensch ist voller Würde und wertvoll, zum einen, und jeder soll willkommen sein, dazu gehören und mitmachen können. „Inklusion ist die Kunst, Vielfalt zu leben.“ In der Stadt setzt sich seit 2009 der Behinderten- und Inklusionsbeirat dafür ein. Schätzungen zufolge leben in Hildesheim 20.000 Menschen mit einer Behinderung. Das wäre etwa jeder Fünfte. Zum Vergleich, im Stadtteil Moritzberg/Bockfeld leben 15.339 BürgerInnen. „Jeder Mensch hat in seinem Leben mit einer Behinderung zu tun“, glaubt Beiratsvorsitzende Tiede.

Die Begehungen sollen sensibilisieren und begreifbar machen, welche Hindernisse sich im Alltag einem Menschen mit einer Geh- oder Sehbehinderung stellen. Kopfsteinpflaster machen NutzerInnen von Rollatoren, Kinderwagen oder Rollstühlen das Leben schwer. Aber auch die Stöcke von Blinden bleiben in den Fugen stecken. Drei dieser Orientierungshilfen hat Krause dabei. An deren Ende befindet sich eine Rollspitze, damit ertasten die Träger die Kontur des Bodens. An vielen Fußgängerüberwegen sind deswegen mittlerweile entsprechende Platten eingelassen. Ansonsten halten sich Blinde an Gehsteigkanten, um eine Leitlinie zu haben.

Doch das ist leichter gesagt als getan, merken die TeilnehmerInnen schnell. Ein Laternenmast, eine nicht geschnittene Hecke oder eine Einfahrt reichen, um die Leute aus dem Konzept zu bringen. „Manche halten das keine fünf Minuten aus“, weiß Krause. „Gartenarbeit ist ein Zuckerschlecken dagegen“, findet Bürgermeister Paasch, nachdem er erst mit Stock und danach im Rollstuhl unterwegs war. Auch Pastorin Garhammer-Paul muss erst einmal durchatmen. „Eine verstörende Erfahrung“, überlegt sie. „Ich kenne mich hier aus und war trotzdem orientierungslos.“ Eine andere Sache hat ihr den Weg zusätzlich erschwert. „Ich weiß, dass hier immer viel Hundekot liegt und habe mich geekelt, weil ich nicht wusste, ob ich nicht reintrete.“

„Wir werden nie in einer Wunschwelt leben“, weiß Tiede. Abgeflachte Bordsteine sind für sie als Rollstuhlfahrerin zum Beispiel wichtig, für Blinde jedoch ein Problem, weil deren Stöcke dort ins Leere gehen. „Wir versuchen trotzdem, die Welt für alle so angenehm wie möglich zu machen.“ Fortschritte gibt es schon. Bei der Sanierung des Hauptbahnhofs hat die Stadt Hildesheim den Beirat beispielsweise mit einbezogen. Auch Privatpersonen haben sich bei Bauvorhaben schon an sie gewandt. Bürgermeister Paasch möchte seine Erfahrungen aus der Markusgemeinde mit in den Stadtrat nehmen. „Man muss das mal gemacht haben, um zu wissen, wovon man redet und nicht nur worüber.“ Vor Ort selbst hat sich bereits etwas bewegt, freut sich Markusschwester Scholz. „Unser Behindertenparkplatz ist genehmigt worden. Und wir sind dabei unserer Gemeindehaus auf Barrierefreiheit zu checken. Unser Wunsch und Ziel ist, dass jeder, der möchte,  selbstbestimmt unsere Angebote nutzen kann.“ Björn Stöckemann

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Bild: Stöckemann

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Bild: Helge Meyn-Hellberg

Statt „ein Dorf“, „mein Dorf“

Superintendenten, Synodale und Kirchenkreisvorstände diskutierten beim Gesprächsabend „Der Süden blüht auf“ über Bleibefaktoren im ländlichen Raum. Karin Beckmann, Landesbeauftragte Leine-Weser, war zu Gast

Hildesheim, 17. März. Mit den Worten, dass man auf dem Weg sei „zu einer Kirche, die wir noch nicht kennen. Sie wird kleiner sein, sie wird ärmer sein, aber sie wird immer noch Kirche sein“, begrüßte Landessuperintendent Eckhard Gorka im Hildesheimer Michaeliskloster die Superintendentinnen und Superintendenten der Kirchenkreise, einige Vorstände der Kirchenkreistage und etliche Mitglieder der Landessynode aus dem südlichsten Sprengel der hannoverschen Landeskirche. Eingeladen waren sie zu einem Gesprächsabend unter der Überschrift „Der Süden blüht auf“. Diese konstitutiv nicht gefasste Runde steht in der Nachfolge des ehemaligen „Sprengelbeirats“ und wurzelt in der Erkenntnis, dass es neben den regelmäßigen Treffen der Superinten-denten auch eine Form des Kennenlernens und des Gedankenaustauschs zwischen all denen Personen bedürfe, die auf Ebene der Landeskirche den Sprengel Hildesheim-Göttingen in Synoden und Konferenzen vertreten.

Als Vortragende hatte Gorka Karin Beckmann, Landesbeauftragte Leine-Weser gewonnen, die als Leiterin des Amts für regionale Landesentwicklung Leine-Weser die Herausforderungen aber auch Chancen Südniedersachsens vorstellte. Nach Studium der Volkswirtschaftslehre und leitender Tätigkeit in der NBank ist Beckmann seit Anfang 2014 für das südwestliche Gebiet Niedersachsens zuständig, das in größten Teilen deckungsgleich mit dem Sprengel Hildesheim-Göttingen ist. Aus Sicht der Landesbeauftragten gelinge es immer besser, die regionalen Landesämter als „Kümmerer für die Region“ zu positionieren. Laufen bei ihnen doch die Informations- und Entscheidungsfäden zusammen, beispielsweise was EU-Förderprogramme angeht. Mit den regionalen Landesbeauftragten habe die Landesregierung auf die besonderen Herausforderungen im Bundesland Niedersachsen reagieren wollen, von denen auch der Landessuperintendent in seiner Einführung sprach: Vor allem Strukturschwäche und demographischer Wandel brächten größte Probleme mit sich. Veralterung und Abwanderung seien überall zu beobachten und beträfen nicht nur die Dörfer, sondern auch Mittelstädte wie Holzminden, Northeim, Alfeld oder Einbeck. Eine Vorgabe aus Landessicht dahingehend aber, welche Regionen und Städte eventuell weniger und welche demgegenüber stärker gefördert werden sollten, sehe sie kritisch, so die Landesbeauftragte. Regionen wie der Weser-Ems-Raum, der lange als besonders problematisch gegolten habe, nun aber wirtschaftlich und demographisch prosperiere, zeigten, dass es positive Entwicklungen auch dort geben könne, wo Voraussetzungen und Umfeld solches nicht unbedingt vermuten ließen. Wichtig sei es, der Abwanderung etwas entgegenzusetzen. Notwendig sei, ein auch für jüngere Menschen und junge Familien attraktives Lebensumfeld in den Städten zu erhalten oder neu zu schaffen. Nur dort, wo jüngere Menschen die Chance hätten, Gleichaltrige zu treffen und ein ihre Bedürfnisse nach Kultur, Kinderbetreuung und Lebensqualität entsprechendes Umfeld zu finden, gebe es Zuzug. Nur dieses sichere die Vielfalt der städtischen und dörflichen Altersstrukturen.

Dass es Möglichkeiten gebe, auch für Kirchengemeinden in EU-Förderprogrammen Anträge zu stellen, unterstrich dann Barbara Siebert, EU-Fördermittelreferentin der Landeskirche aus Hannover. Bisher seien es vor allem aber bauliche Maßnahmen wie Dachsanierungen oder auch Orgelrestaurierungen gewesen, mit denen Kirchengemeinden europäische Fördergelder hätten akquirieren können. Hier gelte es zukünftig, stärker in Vernetzungen zu denken. Sei es die gemeinsame Nutzung von kirchlichen Gebäude für die Dorfgemeinschaft oder eine Initiative für mehr Teilhabe in einer Region, die es zu entwickeln gelte. Aus solchen Projekten ergäben sich vielfältige Einbindungsmöglichkeiten für Kirchengemeinden. Immer müsse aber ein Prozess der klaren Identifizierung der Bedarfe und der Ziele in Stadt oder Dorf vorangehen. Für die teilweise recht bürokratisch daherkommenden Antragsformulare und Projektabwicklungen empfahl sie den Kontakt zu den Experten im kirchlichen MedienServiceZentrum. Auch die Ämter für regionale Landesentwicklung erlebe sie als sehr unterstützend.

Ralph-Ruprecht Bartels, Pastor und Projektleiter des Projekts „Das vernetzte Dorf“ unterstrich die Bedeutung, in einem Dorf wirklich alle Einwohner mitzunehmen und einzubeziehen bei Projekten. Er sehe die Wichtigkeit, vor allem auch älteren Menschen Zugang zum Internet zu ermöglichen. Seien es Absprachen zu gemeinsamen Einkaufsfahrten oder auch Nachbarschaftspflege durch digitale Vernetzung, überall gebe es Potentiale im Netz, die die Kirchengemeinden stärker nutzen sollten. Für ihn sei das Dorf im Idealfall eine „sorgende Gemeinschaft“. In solcher dörflichen Gemeinschaft gebe es ein ausgewogenes Verhältnis von „Wir-Bewusstsein“ und „Ich-Respekt“. Gerade dafür könne Kirche Vorbild sein und das gemeinschaftliche Miteinander stärken. Ziel sei, dass Menschen auf dem Dorf nicht mehr nur sagten, es sei „nur ein Dorf“, sondern selbstbewusst bekennen, das ist „mein Dorf, in dem ich lebe“, so Bartels.

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Luthers Psalmlieder neu entdecken

Uraufführung einer musikalischen Lesung am 28. März in Northeim

 Eine Premiere für den Kirchentag gibt es am Dienstag, 28. März,19.30 Uhr, im Sixti-Gemeindehaus in Northeim, Hagenstraße 18.  Zwei Musiker und ein Theologe aus Hannover präsentieren in einer Uraufführung erstmals ihr Programm  „Die Geburt des deutschen Psalmliedes bei Luther - Lesung mit Klavier und Gesang“.

Das deutschsprachige Psalmlied stellt eine ganz eigenständige Leistung des Wittenberger Reformators dar und verdient in Erinnerung gebracht zu werden. Die Gruppe ‚Psalmen-Entdecker Hannover’ tut dies im Rahmen einer Erzählung mit Musik und Gesang lebendig und unterhaltsam. Dem Thema entsprechend sind die Besucher auch zum Mitsingen eingeladen.

Solistin ist die Sängerin Christine Köhler, der Pianist und Dozent an der Musikhochschule Hannover Peter Müller begleitet sie am Flügel. Der Autor Dr. Christian Bogislav Burandt ist Sprecher und Autor. Als Kirchenhistoriker hat sich der Verfasser des Textes intensiv mit Martin Luther beschäftigt.

Die Veranstaltung ist eine Premiere und verweist auf den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin vom 24. bis 28. Mai, bei dem die Akteure ebenfalls auftreten werden. Im Anschluss an die Lesung gibt es noch die Gelegenheit zu Austausch und Gespräch.


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Stille Stube und trutzige Burg

Fritz Baltruweit zu Gast im St. Sixti-Gemeindehaus in Northeim

Rhythmisch klopfend, singend und summend wurde die St. Sixti-Gemeinde zu Gesang-tragenden. „Sie sind ein wunderbarer Chor“, stellte der Liedermacher und Theologe Fritz Baltruweit gleich zu Beginn seines Konzertes fest. „Damals hat Martin Luther die Menschen seiner Zeit mit dem Gedanken der Freiheit infiziert“, ergänzte der Lutherliederforscher. „Stille Stube und trutzige Burg – unsere Freiheit besteht darin, dass beides in unserem Leben vorkommt. Unser Glaube lebt davon, dass er nicht so oder so ist, sondern so und so.“ Dazu passten dann auch einige der nächsten Lieder, bei denen die zahlreichen Zuhörer sofort textsicher mit einstimmten. „Die Seele wird frei“, textlich mitgestaltet von Jan von Lingen, und „Gott gab uns Atem“ sind nur zwei Beispiele seiner geistlichen Lieder mit modernen Worten. Anlass dieses besonderen Konzertes war natürlich das Reformationsjahr: 500 Jahre nach der Veröffentlichung von Luthers 95 Thesen finden im Kirchenkreis Leine-Solling 95 Veranstaltungen statt.

Mit dem zentralen Gedanken der Freiheit hinsichtlich Papst und Kirche leitete Luther vor 500 Jahren die Reformation ein, doch gerade durch seine Lieder erreichte er noch viel mehr. Vor allem die ärmere, weniger gebildete Bevölkerungsschicht. So erschloss er der Kirche einen völlig neuen Wirkungskreis. Der Reformation, der Lieder Luthers und ihrem Ursprung widmete sich Fritz Baltruweit in Begleitung von Valentin Brand am Keyboard in seinem Programm aus bekannten geistlichen Volksliedern, das er mit Anekdoten aus ihrer Entstehungszeit spickte. „Die Ursprünge der Werke Luthers aufzuspüren – solche Entdeckungen sind spannend“, stellte Baltruweit später in einem kurzen Interview mit Superintendent Jan von Lingen fest. Vorher jedoch musste letzterer erstmal selbst nach vorne treten und mit Percussion den Liedbeitrag „Ein feste Burg ist unser Gott“ unterstützen.

Zudem erinnerte Baltruweit an die zahlreichen Redewendungen, mit denen Luther die deutsche Sprache prägte. „Er schaute dem Volk aufs Maul und verpackte seine Botschaften so, dass sie bei möglichst vielen Menschen ankamen. Der Erfolg gibt Luther ganz offensichtlich Recht“, so der Liedermacher, der mit einem Titel gleich reichlich Redewendungen lieferte, die auch heute noch im Sprachgebrauch ganz alltäglich sind.

Als besonders beeindruckend empfindet Fritz Baltruweit allerdings nicht nur Luthers Lieder, sondern auch das Verhältnis zu seiner Ehefrau Katharina, die taff und gleichberechtigt war. „Für die damalige Zeit unvorstellbar“, stellte der Musiker heraus. Vielleicht, so mutmaßte er, erkläre das auch, warum es oft Liebeslieder waren, die Luther zugrunde legte. „Luthers Achtung vor seiner Frau war groß. Mit der Heirat änderte sich viel in seinem Leben.“

Die Liebe zur Musik und auch zu Gott war es auch an diesem Abend, die so viele Besucher zum Konzert nach St. Sixti lockte. Sie genossen das gemeinsame Singen sichtlich und erfreuten sich auch an den Gedichten, Zitaten und Anekdoten, die Baltruweit mit im Gepäck hatte. So konnte er nicht ohne zwei Zugaben den Heimweg antreten – und auch nicht ohne ein gemeinsam gesungenes „Der Mond ist aufgegangen“, das die Konzertbesucher beschwingt und vor sich hin summend auf den Heimweg begleitete.

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